Assange befürchtet Mordanschlag

Als Reaktion auf die Drohungen gegen den Wikileaks-Chef erhöhten seine Mitarbeiter ihre Sicherheitsvorkehrungen. Sie seien sich bewusst, "mit einer Supermacht zu tun" zu haben, sagte Julian Assange gestern in einem Frage-Antwort-Forum der Onlineausgabe der britischen Zeitung "Guardian".

Auf Julian Assange, den Gründer der Enthüllungs-Webseite Wikileaks, wächst nach den jüngsten Veröffentlichungen von allen Seiten der Druck. Doch beirren lässt sich der Australier davon offenbar nicht. Im Gegenteil – auf einer britischen Webseite beantwortete er gestern die Fragen der User.

Fast zwei Stunden hatten die Internetleser des "Guardian" Zeit, jenem Mann Fragen zu stellen, der für viele wie ein Phantom wirkt. Niemand weiß, wo er sich aufhält, die Finanzierung seiner Webseite wirft manche Frage auf, und dann stehen auch noch Vergewaltigungsvorwürfe im Raum.

So verwunderte es nicht, dass sich an der Aktion der Tageszeitung zahlreiche Briten beteiligten. Assange nahm auch zu den Morddrohungen gegen ihn Stellung. Ein kanadischer Experte hatte seine Ermordung als Strafe für die Veröffentlichung der geheimen Dokumente gefordert. Der US-Politiker und ehemalige republikanische Kandidat zur Nominierung für die Präsidentschaftswahl 2008, Mike Huckabee, hatte gefordert, die Verantwortlichen für die Daten-Lecks sollten hingerichtet werden. Julian Assange wertete das als Anstiftung zum Mord und drohte mit einer Anzeige.

Die Morddrohungen gegen ihn seien allgemein bekannt. In Anspielung auf die USA sagte Assange, seine Mitarbeiter träfen alle Vorsichtsmaßnahmen, zu denen sie angesichts der Tatsache, es "mit einer Supermacht zu tun" zu haben, in der Lage seien. Sollte ihm etwas passieren, werde Wikileaks weitere Enthüllungen veröffentlichen.

Trotz der vielen Fragen dauerte es nur wenige Minuten, bis die Webseite gegen 14 Uhr die Antworten von Julian Assange online stellte. Ob diese allerdings wirklich von ihm stammten, kann außer den Webseiten-Betreibern allerdings niemand nachvollziehen. Neue Enthüllungen jedenfalls ließen bei den Antworten auf sich warten. Vielmehr vermittelten sie einen Eindruck, wie Assange selbst seine derzeitige Situation sieht. So erklärte er, dass er als australischer Staatsbürger seine Heimat vermisse. Doch habe die Regierung in Canberra unmissverständlich klargemacht, dass nicht nur seine Rückkehr unmöglich sei, sondern dass sie auch die USA dabei unterstütze, ihn zu fangen.

Auch betonte Assange, dass in den vier Jahren, seit Wikileaks die US-Berichte enthülle, es keine glaubwürdigen Anschuldigungen gegen die Plattform gegeben habe, auch wenn Einrichtungen wie das US-Verteidigungsministerium behaupteten, Menschen würden durch die Veröffentlichungen zu Schaden kommen. Das seien nur böswillige Manipulationsversuche.

Zudem verteidigte Julian Assange seine eigene Rolle innerhalb der Veröffentlichungen. Er habe sein erstes Buch mit 25 Jahren veröffentlicht, bei Zeitungen, im Fernsehen oder auf Webseiten mitgearbeitet. Daher spiele es keine Rolle, ob er nun ein Journalist sei oder nicht.

Er werde offensiv gegen die Vorwürfe der US-Regierung angehen und nicht untertauchen. Schweden erließ allerdings gestern einen aktualisierten Haftbefehl gegen ihn. "Wir haben die Informationen nach London geschickt, um die uns die britische Polizei gebeten hat", sagte die Sprecherin der schwedischen Staatsanwaltschaft, Karin Rosander. So hätten die britischen Behörden wissen wollen, wie hoch das maximale Strafmaß für die vorgeworfenen Straftaten in der Assange-Akte sei. "Normalerweise nehmen wir nur das schwerste Vergehen", erläuterte Rosander. In diesem Fall sei das der Vorwurf der Vergewaltigung.

Assanges Anwältin bestätigte am Abend, dass sich der Australier in Großbritannien aufhält. Bis gestern sei ihr aber noch kein Haftbefehl zugestellt worden.

(Rheinische Post)
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