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Persönlich: Arnaud Montebourg ... knöpft sich Deutschland vor

Persönlich : Arnaud Montebourg ... knöpft sich Deutschland vor

Französische Politiker, auch die von der Linken, lieben die aristokratische Pose. Ihren Wahlkreis in der Provinz nennen sie gerne "fief", ihr "Lehen". Das von Arnaud Montebourg (51), dem sozialistischen Wirtschaftsminister, liegt in Burgund. Dort veranstaltet Montebourg jedes Jahr zum Ende der Sommerferien die "Fête de la Rose", eine bunte Heerschau seiner Anhänger unter dem Zeichen der roten Rose der Sozialisten. Die Veranstaltung ist gefürchtet, weil Montebourg sie ohne Rücksicht auf Partei- oder Fraktionsdisziplin dazu nutzt, um sein Image als Störenfried zu schärfen. Auch diesmal ist ihm das voll gelungen.

Sozusagen als politisches Hors d'œuvre und nur drei Tage nachdem Präsident François Hollande betont hatte, er wolle den eingeschlagenen Weg der Wirtschafts- und Finanzreformen fortsetzen, forderte Montebourg in einem Interview die Abkehr von diesem Kurs. Frankreich könne nicht weiter dem deutschen Vorbild der strikten Haushaltsdisziplin folgen, ereiferte sich der Sozialist: "Deutschland ist gefangen in einer Sparpolitik, die es ganz Europa aufgezwungen hat."

Freilich, Montebourg bleibt ein Linker. Frankreich dürfe sich nicht von den "ideologischen Glaubenssätzen der deutschen Konservativen" bestimmen lassen, polterte der Minister und dankte im selben Atemzug Sigmar Gabriel, "meinem sozialistischen Amtskollegen, der in dieselbe Richtung drängt wie wir". Das wird für Gesprächsstoff am Berliner Koalitionstisch sorgen, zumal Montebourg in einem ganz ähnlichen Kontext Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einiger Zeit auch schon mal mit Bismarck verglichen hatte, was in Frankreich gewiss kein Kompliment ist.

Aber auch in Paris werden Montebourgs Attacken keine reine Freude ausgelöst haben. Ende der Woche versammeln sich die Sozialisten zu ihrem traditionellen Sommer-Parteitag. So zerstritten wie diesmal sind sie selten in das Treffen gegangen.

(RP)