Persönlich: Anne Wizorek ... die Feministin bei Günther Jauch

Persönlich : Anne Wizorek ... die Feministin bei Günther Jauch

Die unmittelbaren Folgen ihres Auftritts in der Talkshow Günther Jauch bekam Anne Wizorek (31) gestern, am Tag danach zu spüren – telefonische Belästigung. Via Twitter ließ Wizorek die Netzgemeinde am medialen Ansturm auf ihre Person teilhaben: "Es zerrt gerade sehr an den Nerven." Immerhin fand Wizorek ausreichend Zeit, um die Interview-Anfragen einzeln zu kommentieren. Natürlich beim Kurznachrichtendienst Twitter, jenem Medium also, dem die Kommunikationswissenschaftlerin ihren vorläufigen Ruhm verdankt.

Die Sexismus-Vorwürfe einer Journalistin gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hatte die 31-Jährige als Ausgangspunkt für eine Kampagne mit ungeahnter Resonanz genutzt. Unter dem Stichwort "Aufschrei" rief Wizorek bei Twitter Frauen dazu auf, persönliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung öffentlich zu machen. Binnen weniger Tage kamen mehr als 60 000 Einträge zusammen – Jauchs Redaktion buchte Wizorek prompt als eine Art moderne Alice Schwarzer.

Eine Feministin will die Berlinerin tatsächlich sein. Eine mit "Wohnort Internet", wie Wizorek auf ihren Internetseiten schreibt. Konsequent feminin bleibt sie deshalb auch bei der Selbstbeschreibung: Aus dem Nerd – dem zurückgezogenen Intellektuellen der Moderne – wird bei Wizorek die "Nerdette". Ihr Geld verdient Anne Wizorek als Kommunikationsberaterin – nach eigener Auskunft unter anderem bei der Deutschen Bahn und der Deutschen Bank.

Mit der Internetseite "alltagssexismus.de" will Wizorek nun sicherstellen, dass die von ihr entfachte Debatte nicht verflacht. Bereits bei Jauch hatte sie auf fehlende Abwehrmechanismen hingewiesen. Gestern legte die Berlinerin nach: Wizorek fordert eine neue Flirtkultur. Dass Männer wiederholt Grenzen überschreiten, bleibe bisher unbemerkt. Der mutmaßliche Brüderle-Vorfall sei deshalb nur ein Puzzleteil des alltäglichen Sexismus.

(RP)
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