Berlin: Anne Will wirbt für Frauenquote in den Medien

Berlin : Anne Will wirbt für Frauenquote in den Medien

Prominente starten ungewöhnliche Aktion mit der "Taz": "Hosen runter von den Chefsesseln" heißt die Schlagzeile.

Anne Will hat das letzte Wort in dieser Redaktionskonferenz, in der heute nur Frauen sitzen. "Hosen runter von den Chefsesseln, Röcke hoch", werde die Schlagzeile der Berliner Tageszeitung "Taz" an diesem Wochenende lauten, fasst die Fernsehmoderatorin die Diskussion zusammen. Die Buchstaben haben die Frauen ausgeschnitten aus bekannten Zeitungen und zusammengeklebt wie in einem Erpresserbrief: Das "H" entstammt dem "Handelsblatt", das "S" der "Süddeutschen", das "R" dem Magazin "Spiegel".

Unterstützt von Politikern wie Doris Schröder-Köpf (SPD), Monika Grütters (CDU), Krista Sager (Grüne) oder dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der Anne Will und der "Spiegel"-Redakteurin Annette Bruhns für ein Interview zur Verfügung stand, haben die Medienfrauen für einen Tag die Redaktion der "Taz" gekapert, um auf 40 Seiten mit originellen Texten für ihr Anliegen zu werben. Sie fordern einen Frauenanteil von 30 Prozent bis 2017 auf allen Führungsetagen von Zeitungen, Fernsehsendern und Rundfunkanstalten. Bislang sind Frauen in den Chefredaktionen der Zeitungen noch mehr unterrepräsentiert als in den Vorständen der Dax-Konzerne: 98 Prozent der Zeitungschefredakteure sind Männer.

Dass die Frauen als eine Hälfte der Bevölkerung endlich mehr Einfluss in den meinungsbildenden Medien gewinnen wollten, müssten sie nicht besonders begründen, es sei ihr demokratisches Recht, betont die bayerische Grünen-Politikerin Claudia Stamm in der Diskussion. Sie würde ja gerne auf eine Frauenquote in den Medien verzichten, wenn es so etwas wie gleiche Aufstiegschancen von Männern und Frauen wirklich gebe, sagt die Fernsehmoderatorin Dunja Hayali. Doch die Quote sei leider "das Miststück, das wir als Brücke zur Normalität brauchen". Auch die CDU-Politikerin Grütters weist die in ihrer eigenen Partei verbreitete Kritik an der Frauenquote zurück: "Lieber setze ich mich wegen der Quote auf einen Chefsessel, als ohne Quote Sekretärin im Vorzimmer zu bleiben", so die Berliner Abgeordnete.

Ihr Potenzial zeigen Medienfrauen eindrucksvoll in der Samstagsausgabe der "Taz": Renommierte Journalistinnen wie Antonia Rados, Sonia Mikich oder Wibke Bruhns und ihre Tochter Meike haben Artikel beigesteuert. Doch auch Männer sind mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und TV-Moderator Ranga Yogeshwar vertreten.

Hinter der Aktion steckt der Verein "Pro Quote", den bereits 4000 Medienschaffende unterstützen. Im Februar hatte der Verein in einem Brief an alle Chefredakteure, Intendanten und Verleger erstmals gefordert, deutlich mehr leitende Jobs mit Frauen zu besetzen.

(mar)
Mehr von RP ONLINE