Am Sonntag beginnt die Sommerzeit Warum die Zeitumstellung besser als ihr Ruf ist

Meinung · Sie ist unbeliebt und eigentlich will ihr die EU auch schon seit Jahren an Kragen: die Zeitumstellung. Ihren ursprünglichen Zweck hat die Einführung der Sommerzeit zwar verfehlt. Trotzdem hat der halbjährliche Wechsel auch einige Vorteile.

In einer Umfrage der DAK Gesundheit aus dem vergangenen Jahr gaben 25 Prozent der Menschen in Deutschland an, unter den Folgen der Zeitumstellung zu leiden. (Symbolbild)

In einer Umfrage der DAK Gesundheit aus dem vergangenen Jahr gaben 25 Prozent der Menschen in Deutschland an, unter den Folgen der Zeitumstellung zu leiden. (Symbolbild)

Foto: dpa/Maximilian von Klenze

Alle halbe Jahre wieder kommt die Zeitumstellung. An diesem Wochenende ist es soweit: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren von zwei auf drei Uhr vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt, und sie endet erst Ende Oktober, wenn die Zeiger wieder zurückwandern. Der Zeitwechsel ist in der Bevölkerung offensichtlich unbeliebt, in einer EU-weiten Umfrage vor einigen Jahren sprachen sich mehr als 80 Prozent für die Abschaffung der Umstellung aus. Seit Jahren arbeitet die EU an der Umsetzung des entsprechenden Vorhabens. Doch Winter- wie Sommerzeit haben ihre Vorteile – und auch eine Abschaffung der gegenwärtigen Praxis wäre mit negativen Folgen verbunden.

Klar ist: Ihren ursprünglichen Zweck hat die Sommerzeit verfehlt. Als die Zeitumstellung vor mehr als 40 Jahren in Deutschland eingeführt wurde, sollte dadurch Strom eingespart werden. Gelingen sollte das durch mehr Tageslicht am Abend. Untersuchungen zeigen aber, dass die erhofften Effekte nicht eintraten. Für Kritiker ist das ein Beleg gegen die Zeitumstellung. Doch das beantwortet noch nicht die Frage, ob es dann eine ewige Winter- oder eine ewige Sommerzeit geben sollte. Spätestens hier wird es nämlich knifflig.

Eine dauerhafte Sommerzeit würde dazu führen, dass es abends länger hell bleibt. Das verschafft uns in der heißen Jahreszeit schon jetzt viele lange Sommerabende. Der Nachteil einer dauerhaften Sommerzeit wäre allerdings, dass die Sonne im Winter sehr spät aufgehen würde. In Düsseldorf würde es zum Winteranfang am 21. Dezember erst um 9.35 Uhr statt um 8.35 Uhr hell werden. In Städten wie Amsterdam oder Paris würde es sogar noch ein wenig länger bis zum Sonnenaufgang dauern. Bei einer ewigen Sommerzeit würden Kinder die ersten zwei Schulstunden im Dunkeln verbringen, und viele Menschen würden zur Arbeit gehen, wenn es draußen noch duster ist.

Eine dauerhafte Winterzeit halten Experten deshalb für sinnvoller. Doch auch sie hätte Folgen. Die Sonne in Düsseldorf ginge zum Sommeranfang am 21. Juni bereits um 4.17 Uhr statt um 5.17 Uhr auf. Noch sehr viel früher würde es in Städten hell, die weiter östlich liegen, zum Beispiel in Warschau. Hier würde die Sonne bei ewiger Winterzeit bereits um 3.14 Uhr an den Himmel steigen – mitten in der Nacht. Im Gegenzug würde es bereits um 20 Uhr dunkel werden. Besonders im Osten Europas würde eine ewige Winterzeit also dafür sorgen, dass man viele helle Stunden in der warmen Jahreszeit schlicht verschenken würde.

Ob es die EU vor diesem Hintergrund je schaffen wird, sich auf eine einheitliche Zeit ohne Umstellung zu verständigen, ist fraglich. Die Interessen der einzelnen Länder dürften in dieser Frage auseinandergehen. Über alledem schwebt ohnehin ein viel grundsätzlicheres Problem: Dass es in der EU von Polen bis Spanien nur eine Zeitzone gibt. Das mag in der Praxis viele Vorteile haben, für den Biorhythmus der Bürger auf den verschiedenen Längengraden ist das laut Schlafforschern aber nicht optimal.

Die halbjährliche Zeitumstellung schafft es, dieses Problem ein wenig abzufedern. Dank der Winterzeit wird es in der kalten Jahreszeit früher hell, wegen der Sommerzeit wiederum haben wir in der warmen Jahreszeit mehr Sonne am Abend statt in der Nacht. Das ist nicht zu vernachlässigen, schließlich sind Sonnenstrahlen wichtig für die Gesundheit. Sie fördern die Bildung von Vitamin D und beeinflussen die Stimmung von Menschen positiv.

Natürlich dürfen diese Argumente nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeitumstellung einige Menschen belastet. In einer Umfrage der DAK Gesundheit aus dem vergangenen Jahr gaben in Deutschland 25 Prozent an, unter den Folgen der Zeitumstellung zu leiden. Und dennoch würde selbst eine Abschaffung von Winter- und Sommerzeit Menschen dazu zwingen, sich umzugewöhnen. Man muss sich vor Augen führen, dass auch eine Einheitszeit Konsequenzen hätte. Nicht nur deshalb ist die halbjährliche Zeitumstellung besser als ihr Ruf.

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