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Minderjährige Studierende Die nötige Reife fehlt

Meinung · Durch die Einführung von G8 und die Aussetzung der Wehrpflicht ist die Zahl der unter 18-Jährigen an deutschen Hochschulen aktuell deutlich höher als noch vor zehn Jahren. Das bringt eine Menge zuvor nicht gekannter Probleme mit sich.

Studierende nehmen an einer Einführungveranstaltung in einem Uni-Hörsaal teil. (Symbolfoto)

Studierende nehmen an einer Einführungveranstaltung in einem Uni-Hörsaal teil. (Symbolfoto)

Foto: dpa/Peter Kneffel

Mit dem Start des neuen Sommersemesters beginnt für viele Studienanfänger in Deutschland der Hochschulalltag. Darunter sind auch wieder viele Erstsemester, die ihr erstes Seminar noch vor dem 18. Geburtstag besuchen. Nach Angaben des Statischen Bundesamtes waren in Deutschland im Wintersemester 2022/23 rund 3800 der insgesamt 2,9 Millionen Studierenden jünger als 18 Jahre. Insgesamt sind das zwar nur 0,13 Prozent aller Studierenden. Im Vergleich zum Wintersemester vor zehn Jahren waren zuletzt allerdings deutlich mehr minderjährige Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Damals betrug der Anteil der unter 18-Jährigen noch 0,08 Prozent.

Dass heute mehr junge Menschen vor Erreichen der Volljährigkeit ins Unileben starten als noch vor zehn Jahren, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen hat die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 dazu beitragen, dass viele Abiturienten direkt im Anschluss an die Schule ein Studium beginnen, statt einen Pflichtdienst in Kasernen oder Krankenhäusern zu absolvieren. Zum anderen hat das 2005 beschlossene, inzwischen in vielen westdeutschen Bundesländern wieder abgeschaffte Abitur nach acht Jahren dazu geführt, dass Absolventen infolge der verkürzten Schulzeit fast ein Jahr jünger sind. Ziel der G-8-Reform war unter anderem, Abiturienten einen früheren Arbeitsmarkteintritt zu ermöglichen und so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So weit die Theorie.

In der Praxis hat das Turboabitur nach acht Jahren allerdings nicht für einen Turbo-Start ins Berufsleben gesorgt. Laut einer 2022 veröffentlichten Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hat die höhere Zahl der Erstsemester infolge doppelter Abiturjahrgänge zwischen 2011 und 2013 in mehreren Bundesländern sogar zu einer durchschnittlich rund drei Wochen längeren Studienzeit geführt. Jeder achte Studierende benötigte sogar ein Semester länger für sein Studium. So ist für einen früheren Berufsstart wenig gewonnen.

Ebenso hat die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur dazu geführt, dass der Druck auf Schülerinnen und Schüler gestiegen ist. Und wer Lernstoff im Akkord büffeln muss, dem fehlt oft auch die Zeit, sich über seine Zukunft Gedanken zu machen. Das hat zur Folge, dass sich viele der jungen Abiturienten nicht wirklich darüber im Klaren sind, wo es nach der Schule hingehen soll oder welches Studienfach am besten passt. Laut einer 2017 veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung legten in der Vergangenheit viele jener G-8-Abiturienten, die sich für ein Studium entschieden, vor dem Uni-Start häufiger eine Pause ein, wechselten im ersten Studienjahr mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das Studienfach oder brachen das Studium komplett ab.

Für Studienanfänger, die schon vor Erreichen der Volljährigkeit ins Unileben starten, ist zudem auch der Hochschulalltag mit zahlreichen rechtlichen Hürden verbunden. Da sie nur beschränkt geschäftsfähig sind, benötigen sie für viele Dinge eine Einverständniserklärung ihrer Eltern. Das beginnt bei der Immatrikulation und reicht über den Antrag auf einen Bibliotheksausweis bis hin zum Abschluss des Mietvertrags für ein WG-Zimmer. Und wer an einer Erstsemesterparty teilnehmen will, muss die Feier spätestens um Mitternacht verlassen. Der ohnehin herausfordernde Studienstart ist für minderjährige Studierende also noch einmal ungleich viel schwieriger. Insofern steht zu hoffen, dass mit der Rückkehr der Gymnasien zum Abitur nach neun Jahren künftig nur noch die wenigsten jungen Menschen ihr Hochschulstudium vor dem 18. Geburtstag beginnen.

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