Kolumne Wissensdrang Vernachlässigte Tropenerkrankungen – eine Frage des Geldes

Meinung · Tropenerkrankungen fordern Millionen von Menschenleben. Sie wären vermeidbar, wenn sie mehr internationale Aufmerksamkeit bekommen würden.

 Die Krankheiten werden oft von Mücken übertragen.

Die Krankheiten werden oft von Mücken übertragen.

Foto: summit4media Healthcare/i-Stock

Der 30. Januar ist Welttag der Vernachlässigten Tropenerkrankungen, zu denen gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO rund 20 Krankheiten gehören. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich hierbei um Infektionskrankheiten wie die Afrikanische Schlafkrankheit, die Bilharziose oder das Dengue-Fieber, hervorgerufen durch Parasiten, Bakterien, Viren und Pilze. Mehr als 1,4 Milliarden Menschen erkranken jährlich an den Vernachlässigten Tropenerkrankungen, und Millionen Menschen sterben an ihren Folgen. Die Vernachlässigten Tropenerkrankungen haben nicht nur eine große Bedeutung für die globale Gesundheit, sondern verstärken die Armut in Ländern, die bereits als einkommensschwach stigmatisiert sind.

Ihr Name ist irreführend, viele Vernachlässigte Tropenerkrankungen können nur begrenzt auf das tropische Klima zurückgeführt werden. Tatsächlich gab es einige der Krankheiten wie Malaria und Lepra früher auch in Europa; andere Krankheiten wie das Q-Fieber oder Bandwurminfektionen treten auch heute noch sporadisch in den westlichen Industrieländern auf. Heutzutage sind die Vernachlässigten Tropenerkrankungen jedoch insbesondere im tropischen Gürtel anzutreffen und ließen sich in den meisten Fällen vermeiden oder behandeln, wenn da nicht die Frage des Geldes wäre. Was den betroffenen Ländern zum Verhängnis wird, ist der Mangel an Medikamenten, eine schlechte Infrastruktur im Gesundheitssystem sowie der nicht ausreichende Zugang zu sauberem Wasser.

Eine erstaunliche Erfolgsgeschichte verzeichnete die Drakunkulose. Die Infektionskrankheit führt zu schmerzhaften Geschwüren und war früher von Afrika bis Indien anzutreffen. Sie wird durch Fadenwürmer hervorgerufen, deren Larven über infizierte Ruderfußkrebse mit dem Trinkwasser aufgenommen werden. Bis zum Ende des vergangenen Jahrtausends waren über 3,5 Millionen Menschen von der Drakunkulose betroffen, heutzutage sind es keine 50 mehr. Grund dafür war ein billiger kleiner Wasserfilter, der von Hilfsorganisationen an die Betroffenen verteilt wurde.

Unsere Autorin ist Professorin für Infektionsbiologie an der RWTH Aachen. Sie wechselt sich hier mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter ab.

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