Kampf gegen „Overtourism“ Warum die Tourismussteuer auf Bali nichts bringen wird

Meinung · Die indonesische Trauminsel will ihre Umwelt besser schützen – und verlangt ab sofort einen zusätzlichen Obolus von allen Einreisenden. Der müsste aber viel höher sein, damit es als Maßnahme Wirkung zeigt. Und das ist nicht das einzige Problem.

Julia Rathcke
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 Die Schönheit der Natur schätzen viele an Bali – den Müll sehen sie oft nicht.

Die Schönheit der Natur schätzen viele an Bali – den Müll sehen sie oft nicht.

Foto: dpa/Carola Frentzen

In unrühmliche Schlagzeilen geriet Bali zuletzt als Ferienziel zweier Mitglieder der „Letzten Generation“, denen der Spott sicher war: Zwei Klimaaktivisten, die zwischen Protestaktionen und dadurch verschuldeten Gerichtsterminen mit dem Flugzeug aus reinem Vergnügen nach Indonesien jetteten. Das wirkte wie ein Treppenwitz – oder auch ein Beweis dafür, wie sehr Bali beim Massentourismus angekommen ist. Die indonesische Insel, einst vor allem beliebt bei Aussteigern und Surfern, ist längst kein Geheimtipp mehr. Doch mit den Massen kamen auch die Probleme.

Wie viele andere Trendziele kämpft Bali mit menschengemachtem Müll: Flaschen, Verpackungen und Plastikabfälle spült die Strömung an die Strände, von denen täglich Lkw-Ladungen voll abtransportiert werden müssen. Hinzu kommt der Verkehr, der dem Tourismus angepasst wurde. Etliche Taxis, Autos, Motorroller verstopfen die Straßen und verpesten die Luft – wenn nicht gerade der Monsunregen Stillstand erzwingt. Dabei ist es eigentlich genau das, wovor Urlauber ihrem Alltag entfliehen: Stundenlange Staus, Stress, Lärm und Dreck. In fernen Ländern aber scheint all das zur Erfahrung, zum Abenteuer dazu zu zählen.

Ob davon Abstand genommen wird, bloß weil bei der Einreise 150.000 Rupien pro Person fällig werden, ist fraglich. Umgerechnet neun Euro werden keinen einzigen Touristen davon abhalten, nach Bali zu reisen, nachdem Tausend Euro für Flüge, Hunderte Euro für Unterkünfte und 30 Euro für das ohnehin nötige Visum eingeplant sind. Im Gegenteil: Die kleine Spende wird das Gewissen mancher Reisenden eher noch erleichtern – man tut ja etwas Gutes für die Umwelt. Für die Wirtschaft vor Ort sowieso. Ob die Schäden der Umwelt mit dem verhältnismäßig kleinen Anteil an Geld aufgewogen werden können, ist fraglich. Ebenso, ob es bis ins Bewusstsein der Menschen dringt, die den Müll verursachen.

Verantwortlich für den Fokus auf das ausschließlich Schöne und das Ausblenden alles Negativen ist auch die Instagramisierung einst abgelegener Orte. Angetrieben von Influencern, die hauptberuflich in Yoga-Retreats posieren und Luxushotels rezensieren, zieht es offenbar immer mehr Normalreisende auf die Insel, die ohnehin schon eine hohe Bewohnerdichte hat. Mit 740 Einwohnern pro Quadratkilometer leben nämlich dreimal so viele Menschen auf Bali wie zum Beispiel auf Mallorca. Strände, Reisfelder und Wasserfälle werden so zu Fotomotiven mit Müllhalden. „Love Bali“, die Kampagne, mit der Bali die Tourismussteuer nun einführt, ist ein nett verpackter Appell – zu nett höchstwahrscheinlich. Die Touristen lieben Bali, deshalb kommen sie schließlich. Dass Liebe auch etwas mit Respekt und Verzicht zu tun hat, das müssen viele lernen. Influencer könnten das regelmäßiger zum Thema machen und einiges bewirken, das muss die Tourismusbranche der jeweiligen Länder besser nutzen – statt von einem Lerneffekt durch eine 9-Euro-Tourismusabgabe zu träumen.

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