Forderungen nach Dönerpreis-Bremse Wahlwerbung mit Billig-Döner

Meinung · Die Preise für das beliebte Fast-Food-Gericht haben sich innerhalb von wenigen Jahren verdoppelt. Einige Parteien fordern deshalb eine Döner-Preisbremse. Auch die SPD hat das Thema nun für sich entdeckt – und macht damit Europawahlkampf.

Eine mit Dönerfleisch gefüllte Teigtasche. (Symbolbild)

Eine mit Dönerfleisch gefüllte Teigtasche. (Symbolbild)

Foto: dpa/Peter Steffen

Er ist schmackhaft, macht satt und ist an jeder Straßenecke zu haben: Der Döner Kebab gilt als beliebtestes Fast-Food-Gericht in Deutschland. Mehr als 18.000 Dönerimbisse gibt es hierzulande mittlerweile, rund 2,5 Millionen Portionen der fleischgefüllten Fladenbrote werden täglich verspeist. Günstig ist die Drehspieß-Spezialität allerdings nicht, oder besser gesagt – nicht mehr: Rund sieben Euro kostet die gefüllte Fladenbrot-Tasche mittlerweile im Durchschnitt – fast doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Tendenz steigend, denn die Inflation macht auch vor dem Döner nicht halt. Nicht nur für Geringverdiener könnte die preisliche Schmerzgrenze schon in naher Zukunft überschritten sein.

Kein Wunder also, dass die Dönerpreise mehr und mehr zum Politikum werden: Erst kürzlich forderte Die Linke in einem Positionspapier eine „Dönerpreis-Bremse“ einzuführen. Eine Art Mietpreis-Bremse für die Kebab-Tasche, sozusagen. Maximal 4,90 Euro dürfe das gefüllte Fladenbrot kosten, für Mehrkosten solle der Staat aufkommen, so die Idee der Partei laut Informationen des „Stern“. Das klingt ein bisschen wie Satire, ist aber offenbar ernst gemeint. Bei einer anderen Partei, die mit dieser Forderung schon bei der Bundestagswahl 2021 antrat, kann man da nicht so sicher sein: „Wir fordern die #Dönerpreisbremse schon seit Jahren“, erklärte der Vorsitzende der Satirepartei Die Partei Martin Sonneborn nur wenige Tage nach den Berichten über die Pläne der Linken auf der Plattform X.

Das kann man populistisch finden, der Dönerpreis-Anstieg bewegt aber offenbar tatsächlich viele Gemüter. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in den Sozialen Medien regelmäßig mit Aufrufen wie „Olaf, mach Döner wieder drei Euro!“ konfrontiert sieht? In einem Instagram-Video vom 11. März erteilt der Kanzler dem staatlich subventionierten Döner zum Dumpingpreis allerdings eine klare Absage. Begründung: „Wir leben in einer Marktwirtschaft. Da bilden sich Preise durch Angebot und Nachfrage, aber natürlich auch durch die Kosten, die diejenigen, die den Döner herstellen, zu tragen haben.“ Die Aussichten, dass Scholz die „Dönerflation“ zur Chefsache erklären könnte, sind also eher gering.

Umso erstaunlicher, dass nun ausgerechnet ein Berliner SPD-Kandidat für die Europawahl mit einer Aktion von sich reden gemacht hat, bei der Passanten das begehrte Streetfood zum geforderten Schnäppchenpreis erstehen konnten. Im April baute Frederic Augustin seinen Wahlkampfstand neben einem Kebab-Imbiss auf. „Wir machen Döner wieder 3 €“, warb der 26-jährige Sozialdemokrat dabei auf einem grammatikalisch nicht ganz korrekten Plakat. Die Idee dahinter: Beim Essen mit jungen Leuten ins Gespräch kommen und sie für die Europawahl gewinnen. 150 Kebab-Fans durften sich am Aktionstag über eine verbilligte Dönertasche freuen. Die Differenz zum regulären Preis zahlte Augustin aus seiner Wahlkampfkasse.

Die Aktion war so erfolgreich, dass der SPD-Kandidat sie vor ein paar Tagen wiederholte. Prominente Unterstützung erhielt er diesmal von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, der am Subventionstag am Dönerladen des Geschehens vor Ort war. Im Anschluss veröffentlichte Kühnert Videos von der Aktion auf Instagram und TikTok. Darin werben er und Augustin erneut für die Teilnahme an der Europawahl und ordnen den Döner-Preisanstieg politisch ein: Hohe Energiepreise, hohe Mieten und der Krieg in der Ukraine – das alles mache den Kebab teurer, heißt es in dem Video.

Dagegen fordere die SPD jedoch keine Dönerpreis-Bremse, sondern wolle der Teuerung mit konkreter Politik auf der EU-Ebene entgegenwirken: Der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Regulierung von Unternehmen wie Airbnb und Mindestlohnrichtlinien – das alles helfe, die Dönerpreise wieder runterzubringen, so der Tenor. „Döner ist politisch!“, schreibt Kühnert deshalb auch im Begleittext des Videos. Und: „Am 09. Juni SPD wählen, damit der Döner wieder bezahlbar wird.“ Ein Versprechen, das durch diese politischen Vorhaben allerdings schwerlich einzulösen sein wird. Eine Erhöhung des Mindestlohns beispielsweise – so richtig und wichtig sie auch ist – dürfte den Dönerpreis eher noch weiter steigen lassen.

Hinzu kommt: Auch eine umweltbewusste Fleischerzeugung hat ihren Preis. Wer Qualität will, wird sich daran gewöhnen müssen, dass die Zeiten des Drei-Euro-Döners endgültig vorbei sind.

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