Neuer Kurznachrichtendienst „Thread“ Zuckerberg wird Musk gefährlich

Meinung · Der neue Kurznachrichtendienst „Thread“, der von Mark Zuckerberg ins Leben gerufen wurde, hat kurz nach Veröffentlichung schon einige Millionen Nutzer. Gut, dass es dadurch eine wettbewerbsfähige Alternative zum Twitter-Netzwerk gibt.

 Die App „Thread“ gibt es in 100 Ländern.

Die App „Thread“ gibt es in 100 Ländern.

Foto: AFP/STEFANI REYNOLDS

Diesmal wird es ernst für Elon Musk. Während andere Herausforderer seines Twitter-Imperiums bisher daran gescheitert waren, kritische Masse zu erreichen, sieht das bei „Thread“ anders aus. Die App aus dem Meta-Reich Mark Zuckerbergs ist eng an Instagram gebunden, das weltweit zwei Milliarden Nutzer hat.

Mit ein paar Klicks können Instagram-Nutzer den neuen Kurznachrichtendienst ausprobieren. Und dabei ihre lieb gewordenen Handles weiterbenutzen. Genauso leicht lassen sich Listen von Konten übernehmen, denen „Thread“-Neulinge zuvor bei der Foto-App gefolgt waren. Dass sich „Thread“ sonst so anfühlt wie „Twitter“ dürfte kein Zufall sein. Es erleichtert den Wechsel.

Und wer Sorge hat, dass die Zuckerberg-App eines Tages so den Bach heruntergeht wie das von Musk für 44 Milliarden Dollar erworbene Original, findet es bestimmt hilfreich, dass „Thread“ das ActivityPub-Protokoll benutzt. Dieses erlaubt es, Postings über die jeweiligen Digitalbiotope hinweg zu nutzen.

Besonders kritisch sind die tiefen Taschen, mit denen Zuckerberg die Vorherrschaft Twitters herausfordert. Meta kann es sich mit Werbeeinnahmen von rund 113 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr leisten, „Thread“ nutzerfreundlich und zunächst anzeigenfrei anzubieten.

Es ist gut, dass es eine wettbewerbsfähige Alternative zum Twitter-Netzwerk gibt, das unter Musk eine bedenkliche Entwicklung genommen hat. Statt Marktplatz für Ideen ist der Dienst inzwischen Tummelplatz für alle möglichen düsteren Gestalten der rechten Szene geworden. Der Chef selbst hat mit seinen bizarren, provokanten und rechten Beiträgen unter Beweis gestellt, wes Geistes Kind er ist.

Ob „Thread“ am Ende so viel besser für den öffentlichen Diskurs ist, muss das Netzwerk erst noch unter Beweis stellen. War es doch „Facebook“, das Donald Trump 2016 tatkräftig mithalf, ins Weiße Haus zu ziehen.

Meta hat seine Praxis nicht verändert und sammelt auch über das neue Netzwerk Nutzerdaten. Die EU setzt dem glücklicherweise enge Grenzen. Wenn „Thread“ der „Twitter“-Killer werden will, kann Zuckerberg auf den Markt nicht verzichten. Es lässt hoffen, dass dies zu einem besseren Schutz der Privatsphäre der Nutzer führen wird.

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