Debatte über Gräber von Bischöfen Die letzte Unruhe

Meinung | Düsseldorf · Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche wird jetzt auch über den angemessenen Umgang mit Bischofsgräbern gestritten. Eine schwierige Debatte – aber eine wichtige.

 Die bischöfliche Grabkammer in der Krypta des Paderborner Domes

Die bischöfliche Grabkammer in der Krypta des Paderborner Domes

Foto: dpa/Christoph Reichwein

Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche gibt es keine letzten Ruhestätten. Weil viele hohe Würdenträger ihre Schuld im Umgang mit Missbrauch mit ins Grab nahmen. Es gibt kaum einen verstorbenen Bischof der vergangenen Jahrzehnte hierzulande, der keine Pflichtverletzung begangen hat, der also Taten vertuscht und Täter geschützt hat. Was also tun mit all den exponierten Grabstätten?

Die Antwort mag für alle Beteiligten unbefriedigend sein: Es wird keine Patentlösung geben. Weil die Sicht der von Sexualgewalt Betroffenen und lebenslang Gezeichneten natürlich eine andere ist als die derjenigen, die sich in der Kirche weiterhin geborgen fühlen. Und weil letztlich jene, die im Grab liegen, nicht allein ihre Pflicht verletzt und damit dazu beigetragen haben, dass jungen Menschen unfassbares Leid zugefügt wurde. Sie haben auch Leistungen vollbracht, die Erinnerungswert bleiben. Die Stigmatisierung eines Verstorbenen ist ein letztes Wort. Dahinter würde alles andere verschwinden.

Es darf keinen Schutz für Täter geben, auch keinen für jene, die ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. Das Totengedenken der Bischöfe wird schwierig sein. Doch es ist ungemein wichtig, die Debatte zu führen und nach Wegen zu suchen. Denn auch dabei wird die Kultur der Aufarbeitung und des Lernens erkennbar.

Und künftig? Da scheint es in der Tat sinnvoll, zu bedenken, ob derart herausgehobene Grabstellen für Hirten des Gottesvolkes wirklich nötig sind. Das hierarchische Denken, das sich darin spiegelt, zählt ja zu den möglichen systemischen Ursachen des sexuellen Missbrauchs. Ein Bischofsgrab also neben gewöhnlichen Ruhestätten anderer Gläubiger? Auch das wäre erst einmal nur ein Zeichen – doch würde es zugleich ein neues Amtsverständnis anschaulich machen.