Kritik an Spendenaufrufen kranker Promis „Für 23.000 Euro geh‘ ich 13 Monate arbeiten“

Meinung · Weil Künstler oft schlecht abgesichert sind, können sie Schicksalsschläge besonders hart treffen. Anders als Schauspieler Heinz Hoenig erntet Comedian Markus Majowski für seinen Spendenaufruf vor allem negative Reaktionen. Doch Hass und Häme sind auch hier fehl am Platz.

Julia Rathcke
00:00
00:00

Diese Audioversion wurde künstlich generiert. Mehr Infos | Feedback senden

Bittet um Spenden: Markus Majowski (60) nach seiner Knie-OP.

Bittet um Spenden: Markus Majowski (60) nach seiner Knie-OP.

Foto: dpa/Swen Pförtner

Als lustiger Mitbewohner der Comedy-WG „Die dreisten Drei“ war Markus Majowski Anfang der Nuller Jahre einem Mainstream-Fernsehpublikum bekannt geworden. Womit er jetzt zurück auf der Bildfläche ist, hat allerdings einen eher traurigen Grund: Er braucht Geld. Wie er zu dem am 29. Mai gestarteten Spendenaufruf in eigener Sache erklärt, haben ihn „zwei ziemlich gruselige Bühnenunfälle“ zu einer Knie-Operation mit anschließender Reha gezwungen, in der er sich derzeit befinde. Zwei große Projekte für den Sommer 2024 habe er in der Folge absagen müssen. Ihm fehlen, so jedenfalls suggeriert es das von ihm vorgegebene Spendenziel, rund 23.000 Euro.

Das Gros der Reaktionen seither: Kritik, Häme, Beleidigungen und wutentbrannte Vorwürfe. „Für 23.000 Euro geh‘ ich 13 Monate arbeiten, 45 h die Woche, körperlich, seit 22 Jahren in der Landwirtschaft“, so einer der vielen Kommentare unter seinem Instagram-Post aus der Reha. Über die Höhe der Summe, aber auch den Aufruf an sich regen sich Menschen auf, die ihn früher vielleicht sogar einmal gemocht haben. „Fangen jetzt alle Schauspieler an zu betteln, weil sie nicht in der Lage waren für Notfälle vorzusorgen?“, formuliert jemand den Vorwurf, der im Grunde ohne jede Fakten im Raum steht. Zumal Majowski selbst unter seinem Aufruf schreibt: “Ich bin krankenversichert.“

Anders ist es im Fall Heinz Hoenig, der schwer krank im künstlichen Koma liegt und dessen Frau jüngst an die Öffentlichkeit herantrat, um um Geldspenden zu bitten. Hoenig ist nicht krankenversichert. Zwar war er nach Angaben seiner Frau früher privat versichert, konnte die hohen Beiträge aber irgendwann nicht mehr zahlen. Für seine lebensnotwendige Behandlung an der Hauptschlagader waren zunächst 100.000 Euro als Spendenziel anberaumt, inzwischen erhöhte die Familie die erforderliche Summe – auf 500.000 Euro. In kleinsten Details, von Hubschraubertransport bis Entfernung der Speiseröhre, legen die Angehörigen die Kostenaufstellung dar, informieren über seinen Gesundheitszustand. Und die Menschen spenden.

Natürlich ist der Fall Hoenig dramatischer, weil es buchstäblich um Leben und Tod geht – nicht um ein kaputtes Knie. Hoenig, der „König von St. Pauli“, der sich nicht mehr selbst äußern kann, dessen spätes Liebesglück, wie er im RTL-Dschungel rührend berichtete, jetzt zu zerbrechen scheint. Seine jüngere Frau, die mit zwei kleinen Kindern um ihn bangt – das mag mehr Menschen berühren als ein Comedy-Star der Vergangenheit, der ein paar Monate aussetzen muss. Schicksale zu bewerten und Menschen die Hilfsbedürftigkeit abzusprechen, ohne dass alle Umstände bekannt sind, verbietet sich trotzdem. Jeder hat das Recht, um Spenden zu bitten, so wie jeder freiwillig spenden kann – aber nicht muss. Ob Heinz Hoenig sich besser um Versicherungen hätte kümmern müssen oder Markus Majowski mehr hätte sparen sollen, darüber sollte niemand urteilen.

Die öffentlich gemachte private Not ist für viele immer wieder ein Anlass für Hass und Häme. Der 60-jährige Majowski ist da nicht die einzige Zielscheibe. Der eigene Frust über den schlechten Lohn, die hohen Preise und die hier und da verfehlte Politik spielt dabei sicher auch eine Rolle. Bei all den persönlichen Problemen aber darf man ruhig anerkennen, dass es jeden Prominenten wohl auch Überwindung kostet, um Geld zu bitten, sein öffentliches Bild des lustigen, charakterstarken Künstlers um Krankheiten und Schwäche zu ergänzen. Sein Portemonnaie öffnen muss deshalb niemand. Mann kann den Aufruf auch als Mahnung betrachten: Lieber immer gut vorzusorgen.

(jra)