Perspektiven statt Worthülsen Eigentum verpflichtet – auch bei Galeria

Meinung | Düsseldorf · Die Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan ist ein erster Schritt. Gerettet ist die Warenhauskette damit noch nicht. Jetzt kommt es darauf an, dass die neuen Eigentümer endlich mehr bieten als leere Phrasen – nämlich Geld und Perspektiven.

Die Zukunft von Galeria bleibt ungewiss.

Die Zukunft von Galeria bleibt ungewiss.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Die erste Reaktion ist – mal wieder – Aufatmen. Vor allem darüber, dass zumindest vorläufig mehr als 11.000 Stellen bei Galeria gerettet worden sind. Die Belegschaft, die nach der erneuten Schließungswelle übrig bleibt, ist der Teil des Unternehmens, der unter den vielen Krisen am meisten gelitten und es daher am ehesten verdient hat, eine Perspektive zu bekommen.

Aber gibt es die wirklich? Alles, was man bisher über das Konzept der neuen Investoren hörte, klingt mehr nach Worthülsen als danach, dass Galerias Geschäftsmodell neu erfunden worden wäre. Investor Bernd Beetz hat bei seiner Vorstellung von „operativer Exzellenz“ gesprochen, davon, dass man „Erlebniswelten kreieren“ müsse, von der „Liebe zum Warenhaus“ und von der „Seele der Innenstädte“. Nicht eine Vokabel davon war neu, und alle, die vorher schon solche Phrasen gedroschen haben, haben nicht verhindern können, dass Galeria ein Dauerpatient geblieben ist, der nie staatliche Hilfen hätte kassieren dürfen.

Operative Exzellenz? Ein Anspruch mit Selbstverständlichkeit. Seele der Innenstädte? Ein Relikt der Vergangenheit. Erlebniswelten kreieren – wie soll das ohne neues Personal gehen? Galeria hat keine Chance, wenn Beetz’ Partner Richard Baker die Besonderheiten des deutschen Einzelhandels so ignoriert, wie er es vor Jahren beim Kaufhof getan hat, und wenn die neuen Investoren nur 100 Millionen Euro in die Modernisierung der Warenhäuser stecken. Mehr als 60 davon sind sanierungsbedürftig, und ohne Milliardeninvestitionen wäre der nächste Kollaps nur eine Frage der Zeit.

Soll Galeria Erfolg haben, müssen die neuen Eigner das verinnerlichen, was Nicolas Berggruen und René Benko nie verstanden oder verstehen wollten – dass Eigentum verpflichtet und jenes an einem Unternehmen mit Tausenden Beschäftigten auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung beinhaltet.

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