Niederländer verspäten sich Die Deutsche Bahn als zwölfter Mann bei der EM

Meinung | Berlin · Die Engländer dürfen sich vor dem Halbfinale in Dortmund freuen – die Bahn hat die Niederländer zunächst einmal gepflegt vom Platz gegrätscht. Aber wundert das noch jemanden?

Die Engländer um Jude Bellingham (r.) können sich freuen - sie erhielten Schützenhilfe von der Bahn.

Die Engländer um Jude Bellingham (r.) können sich freuen - sie erhielten Schützenhilfe von der Bahn.

Foto: AP/Darko Vojinovic

Die Engländer können zufrieden sein. Vor dem Halbfinale hat sich die Deutsche Bahn als ihr zwölfter Mann entpuppt – und die Niederländer bei ihrer Anreise nach Dortmund erst einmal gepflegt vom Platz gegrätscht. Wie andere vorher auch schon. Für die Leistung des Gefoulten ist so etwas selten zuträglich, wie vieles, was abseits des Rasens passiert.

Wobei zur sportlichen Fairness gehört - der Grund für den erzwungenen Umstieg der Niederländer auf den Kurzstreckenflieger war zwar „eine signifikante Verspätung“ von Deutschlands Pannen-Unternehmen, aber für Tierunfälle kann auch die Bahn nicht zwingend was.

Gleichwohl passt der Vorgang ins Bild, welches das Unternehmen in den letzten vier Wochen des Turniers abgeliefert hat. Ausfälle, Verspätungen, überfüllte Waggons, die Charmeoffensive mit mehr Zügen, mehr Sitzplätzen und mehr Personal ist zum Eigentor geworden. Ein ums andere Mal wurden etliche Chancen versemmelt. Einzig dem Ansturm aufs Bier in den Bistros hielt die Bahn nach eigenem Bekunden stand. Glückwunsch. Manchem Fan genügt das ja. Ansonsten galt, lieber so früh wie möglich zu den Spielen anzureisen.

Verwundern darf das freilich nicht. Wer hat denn ernsthaft geglaubt, dass der Konzern die Probleme des normalen Bahnalltags einfach werde abstellen oder wegzaubern können, wenn ausgerechnet ganz Europa in Deutschland auf die Schiene will? Dass sich das übliche Chaos verstärken würde, lag auf der Hand. Trotzdem muss es nach dem Turnier um die Konsequenzen gehen. Richtig ist daher, was die Union schon vor einiger Zeit vorgeschlagen hat, nämlich das EM-Bahnchaos gesondert aufzuarbeiten. Denn die nächste Großveranstaltung, bei der vielleicht wie 2006 dann „die Welt zu Gast bei Freunden“ sein wird, kommt bestimmt.

Die Generalsanierung der Bahn beginnt übrigens nach der EM. Dann wird alles zwar noch schlimmer. Jedoch irgendwann auch besser. Voraussichtlich. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ob im Fußball oder an der Bahnsteigkante.

(has)