Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen Endlich gleiches Geld für gleiche Leistung

Meinung | Berlin · Die Frauen-Fußball-WM könnte auch Auftakt und Demonstration für weltweites Equal Pay sein — gleicher Lohn für Frauen wie Männer bei gleicher Arbeit. Vielleicht gibt die Frauen-WM auch einen Schub für weltweite Frauenrechte.

Frauenfußball-WM 2023: Marta, Alex Morgan, Sam Kerr - Das sind die Stars
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Das sind die Stars der Frauenfußball-WM

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Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Anpfiff. Was Männer können, können Frauen auch, dem Ergebnis mancher Nationalverbände nach oft besser: Fußball. Im internen Vergleich spielt die Frauen-Nationalmannschaft erfolgreicher als die Männer-Auswahl, man gucke nur auf die letzten Turniere der Fußball-Großmacht Deutschland. Die Männer schieden bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zweimal desaströs in der Vorrunde aus, die Frauen verloren im vergangenen Jahr extrem unglücklich in der Verlängerung das Finale der Europameisterschaft gegen Gastgeber England. Das Spielfeld ist gleich groß, die Anstrengung ist gleich groß, die Spielzeit ist gleich lang. Nur bei einem haben Fußball-Männer und Fußball-Frauen bislang noch keine Gleichheit erreicht: bei der Bezahlung. Wenn sich Prämien am Erfolg messen, müssten die Fußballerinnen mit dem Bundesadler auf dem Trikot für einen Titel genauso viel Geld bekommen wie ihre männlichen Kollegen. Oder in Namen gesprochen: Merle Frohms, Lena Oberdorf und Alexandra Popp müssten dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ebenso viel wert sein wie Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Jamal Musiala. SGS Essen gegen FC Bayern München.

Equal Pay ist bei allen Sonntagsreden auch immer noch zuerst ein schöner Begriff. Im Arbeitsalltag beträgt die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland beim mittleren Durchschnittseinkommen 365 Euro im Monat bei Vollzeitarbeit – zu Ungunsten von Frauen. Auf dem Platz ist die Prämien-Lücke eklatant. 250.000 Euro pro Spielerin bietet der DFB nun den Frauen für den WM-Titel, die Männer hätten in Katar jeweils 400.000 Euro bekommen. Hätten… Aber das ist Geschichte.

Längst haben der Fußball-Weltverband Fifa und ihr schillernder bis zwielichtiger Präsident Gianni Infantino den Frauen-Fußball als das erkannt, was er inzwischen auch ist: eine gigantische Geldmaschine. Fußball als Geschäftsmodell funktioniert weltweit, in den ärmsten Ländern ebenso wie in Staaten, die sonst eher Falken fliegen oder Kamele rennen lassen, etwa in Katar. Das große Geschäft ist mit dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Neuseeland und Australien angelaufen, aufgebläht auf ein Turnier mit 32 Teams. Infantino hatte im Poker um die Fernsehrechte dieser Frauen-WM sogar Fußball-Großnationen wie England, Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien mit dem „Blackout“ – mit schwarzem Bildschirm – gedroht. Aber dann lenkte der Fifa-Krösus doch ein.

 Mit Mut zur Meinung: Die US-Amerikanerin Megan Rapinoe gilt als Großverdienerin im Frauen-Fußball, die auch männlichen Funktionären die Stirn bietet.

Mit Mut zur Meinung: Die US-Amerikanerin Megan Rapinoe gilt als Großverdienerin im Frauen-Fußball, die auch männlichen Funktionären die Stirn bietet.

Foto: dpa/Paul Terry

Nun also vier Wochen Frauenfußball „down under“. Vielleicht bringt auch dieses auf 32 Teams aufgeblähte WM-Turnier einen nächsten Schub für gleiche Bezahlung und für gleiche Rechte von Frauen und Männern, wo es in vielen Teilen der Welt noch hapert. Wenn man die Linie der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock konsequent interpretiert, könnte Fußball auch Teil feministischer Außenpolitik sein. Es würde nicht wundern, würde Baerbock bei den deutschen Fußball-Frauen während des Turniers vorbeischauen. Das US-Team mit ihrer charismatischen Führungsspielerin Megan Rapinoe, das die beiden letzten WM-Turniere gewann, zeigte nach dem Titelgewinn 2019 symbolhaft sowohl Infantino wie auch dem damaligen US-Präsident Donald Trump die weibliche Faust: für Frauenrechte, für gleiche Bezahlung im gleichen Spiel. Denn Equal Pay heißt auch Equal Play, ein gesellschaftliches Statement für gleiche Rahmenbedingungen. Sie wissen, wichtig ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Rest des Lebens. Weltweit.

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