Isabell Welpe beim Digital Ethics Summit 2023 „Führungskräfte müssen auf digitale Revolution setzen“

Düsseldorf · Kollege Computer übernimmt das Kommando in den Büros. Die Münchener Professorin Isabell Welpe erwartet deutlich höhere Produktivität.

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Was sind die sieben teuersten Wörter in einem Unternehmen? „Das haben wir schon immer so gemacht“. Mit dieser Aussage machte die Managementprofessorin Isabell Welpe bei ihrem per Video übertragenen Vortrag deutlich, was Unternehmen droht, die weiterhin auf Bürokratie und Aktenablage statt auf künstlicher Intelligenz und weitere Digitalisierung setzen. Sie würden untergehen.

„Führung bedeutet Einflussnahme, Führungskräfte müssen sich den Möglichkeiten der neuen Technologie öffnen“, ergänzte sie. „Führungskräfte müssen auf die digitale Revolution setzen.“ Denn die Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern, indem viele Arbeiten von Kollege Computer erledigt werden, seien enorm. Außerdem könnten Kunden viel besser gebunden werden, wenn auch dank Künstlicher Intelligenz die Mitarbeiter sich besser um sie kümmern können. Als Gipfel ihrer KI-Begeisterung meinte sie, im Prinzip könne ein Roboter eventuell ein Unternehmen besser führen als ein Mensch. Bei einer Studie hätten Mitarbeiter angegeben, Entscheidungen eines Roboters seien oft sinnvoller als die von Managern.

Sicher scheint jedenfalls, dass sehr viele unnötige Arbeit durch den PC ersetzt werden kann. Kundenanfragen seien in einem Fall 13 Prozent schneller bearbeitet worden als ohne KI. Die allgemeine Produktivität könne um mehr als 50 Prozent steigen. Und beim Programmieren sei sogar ein Leistungszuwachs von mehr als 100 Prozent möglich. Besonders würden dabei eher schwache Mitarbeiter von der digitalen Unterstützung profitieren, das Programm würde Teile der Software dann selber schreiben statt der Mensch.

Der Arbeitswelt steht wegen des neuen Rationalisierungsschubs ein kompletter Umbau, so die Münchener Professorin. Reine Bürojobs fallen weg, Juristen oder Verwaltungsmitarbeiter werden viel weniger benötigt. Aber alle Tätigkeiten, bei denen Menschen auch richtig anpacken müssen, können an Bedeutung gewinnen. „Je höher der Bildungsgrad, umso stärker sind die Menschen dem Trend ausgesetzt.“

Sie meint auch, es sei eine Illusion, die Menschen wollten unbedingt von echten Ärzten behandelt werden statt von einem Computer. Bei einer Umfrage hätten viele Patienten angegeben, ein Chatroboter habe sich mehr Mühe gegeben, ihr Anliegen zu verstehen als ein echter Arzt. Das klingt seltsam? Nein, meint Frau Welpe. Echte Ärzte hätten hohen Zeitdruck, das würde dann den Eindruck mangelnder Empathie vermitteln.

Hier finden Sie weitere Texte und Bilder zum Digital Ethics Summit 2023

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