Debatte um „Arsch huh“ Die Kölner Künstlerinitiative hat eine große Chance verspielt

Meinung · Die Organisatoren der bekannten Gruppe gegen Rechts sind keine verkappten Hamas-Sympathisanten wie so manche Linke. Aber sie haben einen großen Fehler gemacht.

Seit mehr als 30 Jahren im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus - die Initiative „Arsch huh - Zäng ussenander!“, die jetzt Kritik erfuhr.

Seit mehr als 30 Jahren im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus - die Initiative „Arsch huh - Zäng ussenander!“, die jetzt Kritik erfuhr.

Foto: Monika Salchert/Salchert, Monika (mos)

Der Nahostkonflikt ist längst bei uns und polarisiert auch die deutsche Gesellschaft. Jüngstes Beispiel: Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, nimmt nicht an der Friedenskundgebung der Kölner Künstlerinitiative „Arsch huh, Zäng ussenander“ teil, die am Sonntag stattfinden soll. Das ist ein Schlag für die Organisation, die als eine der ersten in Deutschland vor mehr als 30 Jahren so erfolgreich Front gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus machte.

Die Kölner Künstlergruppe, darunter die Musikband Brings oder die Kabarettisten Jürgen Becker und Wilfried Schmickler, sind keine verkappten Hamas-Claqueure oder Linke, denen das Schicksal der Juden egal ist. Sie verurteilen das Massaker an der israelischen Bevölkerung und bekennen sich eindeutig zum Existenzrecht des jüdischen Staates. Aber in diesen Zeiten reicht das nicht. Es fehlt der Hinweis, dass Israel ein Recht zur Selbstverteidigung hat (was nicht alle Mittel rechtfertigt). Auch dürfen die Taten der Hamas mit dem Gegenschlag der Israelis nicht gleichgesetzt werden.

Richtig, die Opfer im Gaza-Streifen sind genauso zu beklagen wie die jüdischen. Es ist furchtbar, wenn in einem Konflikt 5500 unschuldige Kinder sterben. Aber wie kann Israel auf den Terror der Hamas anders als mit Militärschlägen antworten? Es ist ein Drama, aber ohne den Angriff der Terrorgruppe wäre es nie dazu gekommen. Das hätten die Veranstalter irgendwie in Worte kleiden müssen.

Auch der gleichfalls eingeladene Aiman Mazyek hat sich nach dem 7. Oktober sehr widersprüchlich verhalten. Zunächst hat der von ihm geleitete Zentralrat der Muslime die Opfer in Israel mit der Besatzungspolitik der Regierung Netanyahu und ihrer Vorgänger verglichen. Dann war er lange Zeit abgetaucht, bis er sich wenigstens zu einer deutlicheren Verurteilung des Hamas-Terrors durchringen konnte. In seiner Organisation duldete der Zentralratsvorsitzende lange Zeit Leute, die das Existenzrecht Israels nicht anerkannten wie zum Beispiel das Iran-hörige Islamische Zentrum in Hamburg, das erst kürzlich von der Polizei durchsucht wurde. Er wirkt als Person, die sich für Versöhnung einsetzt, einfach nicht glaubwürdig.

Es ist dem jüdischen Vertreter sicher nicht leicht gefallen, die Kundgebung abzusagen. Dafür hatte er zu schnell und zu freudig zugesagt. Die meisten Jüdinnen und Juden in Deutschland wollen unbehelligt hier leben, ihrem Alltag nachgehen und nicht für den Konflikt im Nahen Osten haftbar gemacht werden. Viele von ihnen haben Verbindungen nach Israel und sind geschockt vom Terror und auch betroffen wegen des Leids in Gaza. Wie viele Nicht-Juden, einschließlich Muslime, in Deutschland auch. Hier hätte die Kundgebung eine gute Chance gehabt. Sie wurde leichtfertig verspielt.

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