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Aleppo: Weltkulturerbe im Bürgerkrieg verbrannt

Aleppo: Weltkulturerbe im Bürgerkrieg verbrannt

Damaskus / Düsseldorf Flammen und dunkle Wolken stehen am Himmel über der historischen Altstadt der nordsyrischen Stadt Aleppo. Hunderte Geschäfte brennen im Basar, Menschen werden bei den Gefechten zwischen Truppen des syrischen Machthabers Baschar al Assad und Aufständischen getötet. Rund 200 sollen es am Wochenende landesweit gewesen sein.

Aleppos Altstadt mit dem überdachten Markt (Suk) wurde 1986 von der Unesco auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Nun liegen weite Teile der rund sieben Kilometer überdachten Einkaufsstraßen, die als größter geschlossener Basar des Orients gelten, in Schutt und Asche. Der Direktor des Weltkulturerbeprogramms, Kishore Rao, spricht von großem Verlust und einer Tragödie. Ein Rebellensprecher in Aleppo erklärte, mehr als die Hälfte der Geschäfte, in denen Lebensmittel, Gewürze, edle Stoffe, Stickereien und anderes seit vielen Jahrhunderten gehandelt werden, sei niedergebrannt. Die Behörden hätten die Wasserversorgung der Stadt weitgehend unterbunden, was die Löscharbeiten erschwert habe. Mangels unabhängiger Berichterstatter lässt sich das kaum überprüfen.

Der Markt war schon seit vielen Wochen hart umkämpft. Seit Beginn der Rebellenoffensive im August kontrolliert jede Seite rund die Hälfte der Stadt, die über Jahrhunderte am Schnittpunkt der Handelsrouten von Europa nach Zentralasien, nach Indien und in die Gebiete des Zweistromlandes liegt.

In einem Dorf der Provinz Homs sollen unterdessen von Assad-Gegnern 17 Menschen umgebracht worden sein. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Dem widersprachen die Rebellen nicht. Die Aufständischen erklärten, Regierungstruppen hätten 36 Menschen getötet – allein in Damaskus seien die Leichen von 30 Vermissten gefunden worden.

Für Verwirrung sorgte der Bericht des Nachrichtensenders Al Arabija (Sitz im Golfemirat Dubai, finanziert von Saudi-Arabien), die beiden Piloten des vor der syrischen Küste abgeschossenen türkischen Aufklärungsflugzeuges seien hingerichtet worden. Der Sender beruft sich auf Geheimunterlagen der syrischen Luftabwehr. Die Piloten seien auf Geheiß der russischen Führung von Syrern getötet worden. Der türkische Jet war Ende Juni abgeschossen worden. Zwei Wochen später waren die Leichen gefunden worden. Moskau stützt Assad mit Vetos im Weltsicherheitsrat.

Internet Video zeigt Weltkulturerbe in Flammen www.rp-online.de/politik

(RP)