Rom: Akteure im "Vatileaks"-Skandal

Rom : Akteure im "Vatileaks"-Skandal

Im Falle der Veröffentlichung privater Dokumente des Heiligen Vaters spielen folgende Männer eine wichtige Rolle:

Tarcisio Bertone Der 77 Jahre alte Kardinal aus Turin ist als Kardinalstaatssekretär der mächtigste Mann der Kurie nach dem Papst. In vielen der veröffentlichten Geheimdokumente macht er eine schlechte Figur. So wird Bertone in einem Brief an den Papst der Begünstigung von Vetternwirtschaft bezichtigt und erweckt an anderer Stelle den Eindruck, Transparenz in der Vatikanbank unterbinden zu wollen. So gilt er als treibende Kraft hinter dem Rauswurf des ehemaligen Vatikanbankchefs und Papstvertrauten Ettore Gotti Tedeschi. Inoffiziell fürchten viele Bertones Einfluss, doch selbst im Staatssekretariat hat der Kardinal Feinde. Im Dezember erreicht er allerdings die Pensionsgrenze und muss gehen.

Julian Herranz Der spanische Kardinal ist stärkster Unterstützer des Papstes in der "Vatileaks"-Affäre. Herranz soll nun den Skandal restlos aufklären. Der 82-Jährige ist ein alter Bekannter Joseph Ratingers aus den Zeiten des zweiten Vatikanischen Konzils in den 60er Jahren und seit 50 Jahren im Vatikan aktiv. Sein Alter macht ihn eigener Karriereziele unverdächtig. Zusammen mit dem Slowaken Josef Kardinal Tomko, dem italienischen Kardinal Salvatore De Giorgi und der Gendarmerie soll er die Maulwürfe enttarnen.

Gianluigi Nuzzi Der 43 Jahre alte Journalist ist derzeit der meist gehasste Mann im Vatikan. Nuzzi hat in seinem gerade erschienenen Buch "Seine Heiligkeit – Die geheimen Dokumente Benedikt XVI." viele der privaten Dokumente veröffentlicht. Sie wurden ihm von einem oder mehreren Maulwürfen zugespielt. Als italienischer Staatsbürger ist die Vatikanjustiz gegen ihn jedoch machtlos. Seine Arbeit rechtfertigt Nuzzi damit, dass die Allgemeinheit ein Recht auf Einblicke in den Vatikan habe.

Kardinäle aus Norditalien Mehrere Eminenzen in der Kurie sind mit dem Stil des Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone unzufrieden. Von den italienischen Kardinälen und "Diplomaten" Angelo Sodano und Giovanni Battista Re ist bekannt, dass sie wenig für den Salesianer Bertone übrig haben. Auch einer seiner potenziellen Nachfolger, Kardinal Mauro Piacenza, hält Tarcisio Bertone für wenig effizient. Weitere Gegenspieler Bertones sind auch die Kardinäle Dionigi Tettamanzi und Angelo Scola, Erzbischof von Mailand. Tettamanzi wurde von Bertone vor einem Jahr als Leiter des bedeutenden Instituts Giuseppe Toniolo entlassen.

(RP)