Persönlich: Ahmed Aboutaleb ... sagt Islamisten "Haut ab"

Persönlich : Ahmed Aboutaleb ... sagt Islamisten "Haut ab"

Er besitzt zwei Pässe, den niederländischen und den marokkanischen, und ist der erste muslimische Bürgermeister einer westeuropäischen Großstadt. Ahmed Aboutaleb (53) führt die Hafen- und Industriestadt Rotterdam seit 2008. Der gelernte Telekommunikationsingenieur, frühere Reporter und aktive Sozialdemokrat gilt als fähiger Technokrat, dem der wirtschaftliche Aufschwung der zweitgrößten niederländischen Stadt besonders am Herzen liegt.

Religion betrachtet der Sohn eines Imams als Privatsache, und so fällt es auf, dass ihn angesichts der Terroranschläge von Paris ein heiliger Zorn erfasste. In einem Interview mit der niederländischen Nachrichtensendung "Nieuwsuur" redete er sich förmlich in Rage. Die Anschläge hätten ihn tief in der Seele getroffen. Es sei unverständlich, wie sich manch einer so gegen den Frieden wenden könne, meinte das Stadtoberhaupt. Gegen die Islamisten giftete er: "Wenn ihr diesen Frieden nicht aushalten könnt, dann packt um Himmels willen eure Koffer und geht." Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde der gebürtige Marokkaner noch deutlicher: "Wenn ihr keine Karikaturen akzeptieren könnt, dann möchte ich sagen: Haut ab."

Weniger bei den Islamisten, dafür umso mehr im Netz und bei befreundeten Kollegen fand Aboutaleb große Zustimmung. Londons Bürgermeister Boris Johnson erhob ihn in seiner Kolumne in der Zeitung "The Telegraph" zu seinem persönlichen Helden, der "direkt zum Punkt kommt".

In seiner Heimatstadt Rotterdam ist der umtriebige Bürgermeister bei Einheimischen wie bei Migranten, bei Muslimen, Christen, Juden und Nichtgläubigen gleichermaßen beliebt. Die einst von Strukturproblemen gebeutelte Hafenstadt hat sich nicht zuletzt unter seiner Ägide zu einer lebhaften und modernen Geschäftsmetropole entwickelt, die auch kulturell Maßstäbe in den Niederlanden setzt.

(RP)
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