Bottrop: AfD-Landeschef: Wir wollen nicht die "netten Nazis" sein

Bottrop : AfD-Landeschef: Wir wollen nicht die "netten Nazis" sein

Ziel der AfD in NRW ist der Einzug in den Landtag 2017. Ohne parlamentarische Vertretung werde die Partei nur unzureichend wahrgenommen, betonte AfD-Landeschef Marcus Pretzell auf dem Parteitag in Bottrop. Die AfD werde stärker als bisher die Bürger direkt ansprechen. Die AfD müsse sich gegen das ihr angehängte Image wehren, Partei der "netten Nazis" zu sein.

Pretzell war vor Monaten wegen eines Steuerproblems parteiintern massiv unter Druck geraten; doch im Zuge der Abspaltung um Ex-Parteichef Bernd Lucke sind die meisten seiner Widersacher nicht mehr in der AfD. In Bottrop gab es nur vereinzelt Kritik an Pretzell. Er müsse "mehr im Land herumwieseln", mahnte ein Delegierter. Der Parteichef betonte, er sei eben nicht in allen Kreisverbänden willkommen.

Neben Pretzell, der bei seiner Wiederwahl 67,7 Prozent erhielt, wurde Martin Renner aus Haan zum Co-Vorsitzenden gewählt. Das frühere CDU-Mitglied erhielt 59,4 Prozent der Delegiertenstimmen.

Für empörte Zwischenrufe sorgte eine Mitteilung des AfD-Rechnungsprüfers Alexander Kraus: Der frühere AfD-Parteivize Olaf Henkel (der inzwischen ausgetreten ist) habe seinerzeit nicht nur die Kosten für die Übernachtung in einem Kölner Hotel mit der Partei abgerechnet, sondern er habe sich von ihr auch ein Trinkgeld für das Personal in Höhe von 50 Euro zurückerstatten lassen. Dies sei unverschämt, hieß es in Bottrop. Henkel wies jedoch die Vorwürfe auf Anfrage unserer Zeitung zurück. Der Vorwurf zeige "die ganze moralische Verwahrlosung und Verlogenheit der Partei in NRW. Übrigens pflege ich keine Trinkgelder in dieser Höhe zu geben und diese auch nicht an Dritte weiterzuberechnen." Im Gegenteil: Er habe der Partei damals "einen fünfstelligen Betrag" gespendet.

(hüw)
Mehr von RP ONLINE