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Massive Kritik: Ärzteverband empört über Gesetz zur Beschneidung

Massive Kritik : Ärzteverband empört über Gesetz zur Beschneidung

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für Heranwachsende in Deutschland. Wohnortnahe Kinderkliniken müssten erhalten bleiben, forderte der Verband gestern bei seinem Herbstkongress im hessischen Bad Orb. 70 Prozent der Kinderkliniken und Abteilungen schrieben derzeit rote Zahlen. Es sei aber nicht hinnehmbar, dass benötigtes Personal abgebaut werde, nur um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.

Massive Kritik richtete der Verband an die Politik wegen des 2012 verabschiedeten Beschneidungsgesetzes. "Es hat die Probleme überhaupt nicht gelöst", befand BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Nach wie vor hätten die Jungen kein Recht auf körperliche Unversehrtheit und kein Selbstbestimmungsrecht. "Wir beobachten in den Arztpraxen, dass sich nichts verändert hat. Es wird unverändert beschnitten ohne Schmerzfreiheit. Es gibt unverändert hohe Komplikationsraten."

In Deutschland ist die bei Muslimen oder Juden übliche Beschneidung von Jungen an der Vorhaut aus religiösen Gründen nach einer Neuregelung unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Das Gesetz sieht vor, dass sie im Alter bis sechs Monate auch von Nicht-Ärzten beschnitten werden dürfen, sofern diese nach den Regeln ärztlicher Kunst verfahren.

(dpa)