Berlin: Ägypter wollen auch bei Sicherheitskonferenz demonstrieren

Berlin : Ägypter wollen auch bei Sicherheitskonferenz demonstrieren

Der Umbruch in Nordafrika wird auch die heute beginnende Münchner Sicherheitskonferenz bestimmen, und zwar innerhalb und außerhalb des Tagungshotels "Bayerischer Hof". Das Zusammentreffen der weltweit wichtigsten Sicherheitsexperten wollen auch zahlreiche in Deutschland lebende Ägypter nutzen, um auf ihr Heimatland aufmerksam zu machen. "Solidarität mit Ägypten" ist der Aufruf zur Demonstration überschrieben, zu der am Wochenende zahlreiche Demonstranten erwartet werden.

Der Konferenz-Vorsitzende Wolfgang Ischinger hat zudem das Programm umgebaut, um morgen einen eigenen Diskussionsblock zur Situation in Ägypten, Tunesien und im Jemen einschieben und die nötigen Reaktionen des Westens erörtern zu können. Als Podiumsteilnehmer hat er unter anderem den US-Sondergesandten Frank Wisner gewonnen, der sich selbst ein Bild vom Aufstand gemacht hat und gestern nach Gesprächen mit Staatspräsident Hosni Mubarak und dessen neuem Stellvertreter Omar Suleiman US-Präsident Barack Obama informiert hat.

Es wird erwartet, dass sich heute Nachmittag Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seiner Eröffnungsrede mit den neuen Verhältnissen in Nordafrika beschäftigt. Der Aufstand der Araber steht zudem im Mittelpunkt einer am Rande der Sicherheitskonferenz anberaumten Sitzung des Nahost-Quartetts (USA, EU, Russland und Uno). Direkt an Vorgänge im Nahen Osten knüpft auch das brisante Thema der neuen Angriffe aus dem Internet auf Computer-Systeme (Cyber War) an, deren mögliche Folgen immer gravierender werden. Seitdem der "Stuxnet"-Wurm erfolgreich Teile des iranischen Atomprogrammes zerstören konnte, ist der Einsatz solcher Mittel nach den Worten von Ischinger "kein Spaß, keine Science Fiction, sondern Wirklichkeit".

Solche Mittel könnten, wie das Beispiel Iran zeigt, dazu führen, dass man gegenüber zukünftigen Bedrohungen Zeit gewinne. "Aber können wir ausschließen, dass der nächste Angriff größere Infrastruktur auch in anderen Ländern mit enormen Verlusten an Menschenleben in Mitleidenschaft zieht?", gab Ischinger im Gespräch mit unserer Zeitung zu bedenken. Das Internet drohe derzeit zu einem Schlachtfeld nach Wildwest-Manier zu werden. "Wir müssen in München danach fragen, ob wir dafür neue Regeln brauchen", unterstrich Ischinger.

(RP)
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