Dublin/London: Abtreibungsdebatte in Irland nach Tod einer Schwangeren

Dublin/London: Abtreibungsdebatte in Irland nach Tod einer Schwangeren

Irland diskutiert wieder über das Recht auf Abtreibung. Anlass ist der tragische Tod einer 31-jährigen schwangeren Frau: Die gebürtige Inderin Savita Halappanavar war am 28. Oktober an den Folgen einer Blutvergiftung in der westirischen Stadt Galway gestorben, nachdem sie in der 17. Schwangerschaftswoche über eine drohende Fehlgeburt informiert worden war. Trotz des immer schlechteren Gesundheitszustands der Frau hatten sich die Ärzte im Krankenhaus angeblich geweigert, eine Abtreibung vorzunehmen, solange sie den Herzschlag des Ungeborenen hören konnten.

Savitas Ehemann Praveen, ein Hindu, zitiert gegenüber Medien die Ärzte mit den ablehnenden Worten "Dies ist ein katholisches Land". Drei Tage nachdem der leblose Fötus entfernt worden war, erlitt die junge Zahnärztin Herz-, Nieren- und Leberversagen und starb.

Abtreibungen sind in Irland grundsätzlich illegal – außer wenn das Leben der Mutter akut bedroht ist. Es ist 20 Jahre her, dass das höchste irische Gericht dieses Zugeständnis machte. Seitdem sind jedoch fünf verschiedene Regierungen in Dublin daran gescheitert, das Urteil in einem entsprechenden Gesetz festzuhalten.

Vor knapp zwei Jahren nannte der Europäische Menschenrechtsgerichtshof die Situation in Irland illegal, weil sie die Rechte der Irinnen verletze. Die Richter in Straßburg mahnten Reformen an, doch erst im Januar 2012 hat die Regierung eine Kommission eingesetzt, die dem konservativen Premier Enda Kenny Vorschläge unterbreiten soll.

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Kenny bedauerte zwar den Fall, doch trotz scharfer Kritik will seine Regierung sich mit einem Abtreibungsgesetz nicht beeilen. Es sei gewiss eine "Tragödie", aber auch ein Zufall, sagte Kenny, dass Halappanavar etwa zur gleichen Zeit gestorben sei, als die Regierung den lange erwarteten Bericht einer Expertengruppe über die überfällige Reform der Abtreibungsregelung erhalten habe.

Diese abwartende Haltung löst jedoch Proteste auf den Oppositionsbänken und bei Kennys Koalitionspartner, der Labour-Partei, aus. Es sei Zeit für eine "vernünftige Diskussion" und eine rechtliche Klärung der Frage, forderte Vizepremier Eamon Gilmore. Linke Parlamentarier und die Presse warfen der Regierung vor, aus "Zynismus" an einer "barbarischen und mittelalterlichen Regelung" festzuhalten.

(RP)