Athen: 14 Milliarden Euro für griechische Banken

Athen : 14 Milliarden Euro für griechische Banken

In früheren Schätzungen wurde der Kapitalbedarf auf bis zu 20 Milliarden Euro beziffert.

Aufatmen in den Chefetagen der griechischen Banken, im Athener Finanzministerium und bei der EU-Kommission: Der Kapitalbedarf der vier systemrelevanten griechischen Banken ist geringer als anfangs angenommen und durch die bereits vorgesehenen Hilfsgelder mehr als gedeckt. Die vier Institute - Piraeus Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Alpha Bank - benötigen nach Einschätzung der Europäischen Bankenaufsicht im ungünstigsten Fall bis zu 14,4 Milliarden Euro. Das ist das Resultat einer Überprüfung der Vermögenswerte und eines Stresstests der Banken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte die Ergebnisse. Danach benötigen die Banken in einem sogenannten Basisszenario 4,4 Milliarden Euro frisches Kapital, um die europäischen Regulierungsvorschriften zu erfüllen. Unter Annahme einer ungünstigen Wirtschaftsentwicklung steigt der Kapitalbedarf auf 14,4 Milliarden. Den größten Bedarf hat der Branchenführer Piraeus Bank mit 4,93 Milliarden, den geringsten die Eurobank mit 2,12 Milliarden. Damit hätten die griechischen Banken "gute Kapitalpuffer, die ihre Bilanzen stärken und sie in die Lage versetzen, möglichen widrigen makroökonomischen Schocks standzuhalten", heißt es in der Erklärung der EZB. In früheren Schätzungen wurde der Kapitalbedarf auf bis zu 20 Milliarden Euro beziffert. Der Stresstest zeige, dass die griechischen Institute auch in schwierigen Zeiten überleben können, hieß es in Bankenkreisen. Finanzminister Euklid Tsakalotos bezeichnete die Zahlen als "zufriedenstellend". Das Ergebnis der Prüfung sei "ermutigend", hieß es in einer Erklärung der EU-Kommission.

Größtes Problem der griechischen Banken sind die notleidenden Kredite. Aktuell werden über 40 Prozent der ausgereichten Darlehen nicht mehr bedient. Die Kreditausfälle zehren an der Kapitaldecke. Für die Rekapitalisierung der griechischen Banken sind im dritten Griechenland-Rettungspaket, das im vergangenen Sommer geschnürt wurde, 25 Milliarden Euro vorgesehen. Die zur Bankenrettung bereitgestellten Gelder muss Griechenland in den kommenden Jahren aus Privatisierungserlösen zurückzahlen.

Die griechischen Banken müssen nun bis zum 6. November der EZB ihre Pläne für eine Rekapitalisierung vorlegen. Dabei kommen zunächst private Investoren zum Zug. Sie sollen zumindest den Kapitalbedarf des Basisszenarios decken. Damit würde das Management der Banken in privaten Händen bleiben. Nach Schätzungen aus Bankenkreisen könnten private Investoren etwa fünf bis sechs Milliarden Euro aufbringen. Die Rekapitalisierung soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein, sonst müssen nach einer neuen europäischen Richtlinie auch Bankkunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro zur Kasse gebeten werden, bevor Steuergelder in die Bankenrettung fließen.

(RP)