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Bundesamt bearbeitet Anträge: 13 zusätzliche Atomzwischenlager geplant

Bundesamt bearbeitet Anträge : 13 zusätzliche Atomzwischenlager geplant

Hannover (AP). Das Bundesamt für Strahlenschutz bearbeitet gegenwärtig 13 Anträge auf Errichtung neuer Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken. Bis Ende Dezember hätten dem Amt bereits zehn Anträge auf neue standortnahe Zwischenlager direkt an den Kraftwerken vorgelegen. Für drei weitere Standorte von Atomkraftwerken in Bayern hätten die Betreiber Anfang Februar Anträge gestellt, sagte die Sprecherin des Bundesamtes in Salzgitter, Susanne Commerell, am Donnerstag.

Bei einer Genehmigung der 13 Anträge könnten die abgebrannten Brennelemente aller deutschen Atomkraftwerke direkt an deren Standorten zwischengelagert werden.

Die 19 deutschen Atommeiler verteilen sich nach Angaben der Sprecherin auf insgesamt 14 Standorte. Am Atomkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg ist bereits im vergangenen Jahr ein so genanntes Nasslager in Betrieb gegangen, in dem abgebrannte Brennelemente in Becken aufbewahrt werden. Ein erstes standortnahes Trockenlager mit Plätzen für 130 Castor-Behälter wurde im Dezember 1998 am Atomkraftwerk Lingen beantragt. Ein Jahr später fand dort der öffentliche Erörterungstermin für die geplante Castor-Halle statt, die einmal den Zwischenlagern in Gorleben und Ahaus ähneln soll.

Neun weitere Anträge auf solche Castor-Lager für die Atommeiler Brockdorf, Unterweser, Stade, Grohnde, Krümmel, Brunsbüttel, Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg gingen beim Bundesamt für Strahlenschutz im Dezember 1999 ein. Die drei letzten Anträge betrafen Anfang Februar dieses Jahres die Atommeiler in Grafenrheinfeld, Gundremmingen und die nebeneinander liegenden Kraftwerksblöcke Isar I und II.

Die Bundesregierung hatte sich bereits in der Koalitionsvereinbarung von SPD und Grünen darauf festgelegt, dass "jeder Betreiber eines Atomkraftwerks am Kraftwerksstandort oder in der Nähe Zwischenlagerkapazitäten zu schaffen" habe. Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte im Zusammenhang mit der Diskussion um den Ausstieg und das neue Entsorgungskonzept der Bundesregierung die Kraftwerksbetreiber wiederholt aufgefordert, standortnahe Zwischenlager zu beantragen. Spätestens mit der Inbetriebnahme dieser Lager soll die Lieferung abgebrannter Brennelemente in die Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und Großbritannien endgültig eingestellt werden.

(RPO Archiv)