Frank Thelen über Energiekrise und Ankerkraut „Atomkraft ist aktuell leider sehr gut für die Umwelt“

Düsseldorf · Er ist vermutlich Deutschlands bekanntester Investor: Frank Thelen. Im Gespräch mit dem RP-Podcast Gründerzeit erklärt er nicht nur, wie ihn Start-ups überzeugen. Es geht auch um die Energiekrise, nachhaltige Ernährung, Infrastruktur im All - und sein Verhältnis zu Ankerkraut.

Atomkraft ist für Frank Thelen aktuell die beste Lösung, um auf die Energieknappheit zu reagieren. Das sagt der Investor und Gründer im Staffelfinale von „Gründerzeit“, dem Start-up-Podcast der Rheinischen Post. „Atomkraft ist aktuell leider sehr gut für die Umwelt. Die Alternative ist saudumm. Wir fahren Kohlekraftwerke hoch und erzeugen massenweise CO2.“

Atomenergie sei grundsätzlich nicht gut, denn sie erzeuge Müll. „Das Problem dieses Mülls ist aber deutlich besser beherrschbar, als wenn wir weiteres CO2 in die Atmosphäre schieben.“ Für den Ausbau grüner Energien sei noch viel Arbeit nötig. „Bis dahin ist Atomenergie eine extrem wichtige Technologie, um nicht noch weiteres CO2 in die Atmosphäre zu ballern. Und auch aktuell leider die einzige Lösung, die ich kenne.“

Der gebürtige Bonner Thelen gründet und investiert seit den 90er Jahren im Tech- und IT-Bereich. 1999 musste eine von ihm mitgegründete Firma Insolvenz anmelden. Kostenpflichtiger Inhalt In der Gründerszene ist Thelen umstritten. Das liegt auch an seinen Auftritten als Juror in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“, die ihn ab 2014 zum Promi machten.

Exit bei Ankerkraut? „Nicht relevant“

Zu den bekannteren Investments von Thelen gehört das in das Gewürz-Start-up Ankerkraut, das 2016 nach einem Auftritt des gründenden Ehepaars Anne und Stefan Lemcke bei „Die Höhle der Löwen“ zustande kam. Die Lemckes erzählen ihre Geschichte ebenfalls in der dritten Staffel des Gründerzeit-Podcasts. Und Stefan Lemcke äußert sich dort durchaus kritisch über Frank Thelen.

„Ich bin mit Frank des Öfteren Kopf an Kopf geraten“, sagt er in der Episode. „Wir haben uns gestritten, ich habe mich teilweise sehr geärgert über ihn. Er ist halt ein blutiger Verhandler, wenn es um so Dinge wie Lohn geht oder Firmenwagen oder so.“

Thelen habe Anne und ihm oft vorgehalten, andere Start-ups würden schneller oder besser agieren. „Er ist ein anstrengender Investor.“ Aber man müsse ehrlich sein: Thelen habe Ankerkraut viel gebracht, man habe viel von ihm gelernt. „Ich bin ihm auch sehr dankbar dafür.“

Im Staffelfinale von Gründerzeit nimmt Thelen die Kritik sportlich: “Dass ich anstrengend bin, würde ich jetzt erst mal als Kompliment sehen.“ Bei Ankerkraut habe man sich als Investor tief reingehängt. „Dann entstehen eben auch Stresssituationen.“ Da gebe es auch mal Diskussionen, wann der Firmenwagen wie groß werden dürfe.

Er selbst habe diesen Fehler ja auch schon gemacht: „Als wir Venture Capital bekommen haben, und auf einmal alle gesagt haben, der ganze Vorstand muss jetzt zu BMW gehen und sich da fette Karren leasen. Sagt man dann als CTO: Nee, Alter, gib mir einen Fiat Panda und lieber noch drei Server-Racks? Ja, nee, machst du auch nicht.“

Den Verkauf an Ankerkraut an Nestlé Anfang des Jahres bewerten die Gründer und der Investor übrigens durchaus unterschiedlich. „Um ehrlich zu sein, gehe ich davon aus, dass es der beste Exit ist, den er jemals gemacht hat“, sagt Stefan Lemcke über Frank Thelen. „Er hat sehr viel Geld verdient.“ Thelen dagegen wiegelt ab: „Finanziell war es gut, aber jetzt nicht relevant für uns.“

Vom Schulabbrecher zum Unternehmer

Er habe einen klaren Fokus, sagt Frank Thelen: "Wir wollen in Europa wirklich herausragende Köpfe, die an großen Problemen arbeiten, unterstützen. Weil es uns am Herzen liegt, dass wir eben nicht noch weiter abgeschlagen werden von China und USA."

Er selbst hat einen weiten Weg hinter sich: Die Schule brach er ab, seine Leidenschaft war das Skateboarden. Bis sein Vater ihn dazu brachte, seinen Abschluss nachzuholen und parallel eine Ausbildung zum Elektrotechniker und Informatiker zu machen. "Dann habe ich alles andere stehen und liegen gelassen, habe auch das Skateboard fahren weitestgehend eingestellt und habe einfach Tag und Nacht programmiert."

In die Gründerszene stieg er als Technikchef ein - bis die Insolvenz kam. "Da habe ich gesagt: Diese ganze wirtschaftliche Seite ist leider wichtig, und du musst solvent bleiben, damit du dein Team und deine Forschung bezahlen kannst."

Berühmt dank „Die Höhle der Löwen“

Bei seinen Gründungen ging es meist um Software, oft komplex, manchmal für Unternehmen, manchmal für Endkunden. Berühmt machte Thelen ab 2014 die Sendung "Die Höhle der Löwen", bei der er in der Jury saß und die Ideen von Gründern bewertete.

Die Produkte, die dort vorgestellt werden, passten oft nicht wirklich in sein Portfolio, gibt er zu. Seine Strategie, um trotzdem sinnvolle Deals aus "Höhle der Löwen" zu generieren? "Ich habe mich in der Show auf Food konzentriert. Wir konnten dann den Webshop bauen. Wir konnten das Design machen, wir konnten das Marketing machen und den ganzen digitalen Part. Und das haben wir, glaube ich, auch sehr gut, sehr gut gemacht. Wir machen heute mit unseren Startups aus 'Höhle der Löwen" mehrere 100 Millionen Euro Umsatz."

Er sei dankbar, durch „Die Höhle der Löwen“ so bekannt zu sein, dass er viele spannende Persönlichkeiten treffen konnte - „von Angela Merkel bis Barack Obama“. Das sei ein großes Geschenk. „Ist Öffentlichkeit jetzt immer cool? Nein. Du bist in einem Restaurant, und die Leute gucken dir natürlich auf den Teller. Wenn du auf Mallorca am Strand entlang läufst, musst du ein Selfie in der Badehose machen.“ Das sei nicht angenehm, aber okay.

Hier gibt es mehr Geschichten über die Gründerszene in NRW

Die Rheinische Post berichtet seit Jahren in der Rubrik "Gründerzeit" über spannende Geschichten und Personen aus der Start-up-Szene in NRW. Sie wollen nichts verpassen? Dann ist vielleicht auch unser wöchentlicher Newsletter etwas für Sie. Dieser erscheint jeweils freitags und fasst kompakt die wichtigsten Themen der Woche zusammen. Der Newsletter ist kostenlos und kann hier abonniert werden.

Wie kann man den Gründerzeit-Podcast hören?

Den Gründerzeit-Podcast finden Sie in jedem Podcast-Programm. Dazu suchen Sie einfach nach "Gründerzeit", zum Beispiel bei Spotify, Apple Podcasts oder Google Podcasts. Außerdem können Sie den Gründerzeit-Podcast direkt hier im Player hören. Sie sind neu in der Podcast-Welt? Dann haben wir hier eine ausführliche Anleitung für Sie.

Sie haben Lust auf weitere Podcasts der Rheinischen Post? Hier werden Sie fündig!

Meistgelesen
Wo ist Kate?
Verschwörungstheorien im Königreich Wo ist Kate?
Neueste Artikel
Zum Thema