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Angst vor neuer Droge aus Asien: "Yaba" dringt nach Deutschland

Angst vor neuer Droge aus Asien : "Yaba" dringt nach Deutschland

Frankfurt/Main (dpa). Die Angst vor einer neuen Droge geht um. "Yaba" heißen die aufputschenden Pillen aus Südostasien, die in den vergangenen Monaten erstmals in deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin oder Frankfurt am Main aufgetaucht sind. In Thailand hat die mit "Speed" und "Ecstasy" chemisch verwandte Droge bereits Heroin in seiner Bedeutung verdrängt, in Deutschland ist sie nach Expertenmeinung bislang nur in südostasiatischen Prostituiertenkreisen verbreitet.

Die Yaba-Pillen sind bislang nur äußerst selten in das Visier deutscher Fahnder gelangt. Rund 3 000 Stück seien "in ein paar wenigen Fällen" im Rotlichtmilieu sicher gestellt worden, heißt es beim BKA in Wiesbaden. Der größte Fall spielte sich im Frankfurter Bahnhofsviertel ab, wo die Droge in Thai-Kreisen weitergereicht worden sein soll. Die Drahtzieher, berichtet der Kriposprecher Peter Öhm, haben die Yaba-Pillen über Frankfurt in ganz Europa verteilt, "aber nur in ihren eigenen Kreisen." Zwei Prostituierte sind bereits zu dreieinhalb und eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden, gegen weitere laufen noch Verfahren.

Zuletzt hatten sich Berichte über die Ausbreitung von Yaba insbesondere in Thailand gehäuft. Die äußerst billige Produktion der bunten Pillen ist im so genannten "Goldenen Dreieck" zwischen Thailand, Laos und Birma an die Stelle des von der thailändischen Regierung heftig bekämpften Heroins getreten, berichtete unter anderem die "Los Angeles Times".

Chemisch gesehen ist "Yaba" ein alter Hut. Statt Wasserstoff hängt eine Methylgruppe an dem allgemein als "Speed" bekannten Grundstoff Amphetamin, erläutert ein Wissenschaftler der zolltechnischen Prüfungsanstalt in Frankfurt. Von der aufputschenden Wirkung her unterscheiden sich die verschiedenen Amphetamine nicht wesentlich, berichtet der Chemiker. Jahrzehntelang war unter dem Markennamen "Polamidon" ein ähnliches Methamphetamin auf dem deutschen Arzneimittelmarkt erhältlich.

Der illegale Amphetamin- und Ecstasy-Markt in Deutschland wird nach Erkenntnissen des BKA aber klar von in den Niederlanden produzierten Pillen beherrscht. Weit über 90 Prozent der sicher gestellten Pillen mit geklärter Herkunft stammten im vergangenen Jahr aus dem Nachbarland, steht im BKA- Drogenbericht. Die chemisch anspruchsvolleren, ebenfalls auf Amphetamin-Basis hergestellten Ecstasy-Mischungen dienen als "Partydrogen", mit deren "Hilfe" langstündige Techno-Veranstaltungen bis zur kompletten Erschöpfung durchgestanden werden. Inzwischen sind etliche Todesfälle im Zusammenhang mit Ecstasy dokumentiert.

Eine aufputschende Wirkung wird auch den Yaba-Pillen zugesprochen, die aber offenbar äußerst unangenehme Nebenwirkungen haben können. Yaba- Konsumenten berichten von langandauernden Kribbelanfällen. Die "verrückte Medizin" kann unter anderem zu Nieren- und Lungenschäden führen und nach dem Abklingen der Wirkung zu tiefen Depressionen führen.

"Das ist keinesfalls der neue Renner", meint BKA-Sprecher Dirk Büchner. Gleichwohl sei Europa ein strategischer Markt für die Yaba- Produzenten. Dies belegt auch ein Aufgriff aus dem Jahr 1998, als am Züricher Flughafen immerhin 28 500 Methamphetamin-Tabletten gefunden wurden. Inwieweit sich die neue alte Droge in deutschen Junkie- Kreisen durchsetzen wird, steht aber nach Expertenmeinung noch in den Sternen.

(RPO Archiv)