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Rätsel des Alltags: Zwischen den Jahren

Rätsel des Alltags : Zwischen den Jahren

Düsseldorf (rpo). Die Zeit zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag wird auch als "zwischen den Jahren" bezeichnet. Woher kommt dieser Ausdruck?

In einigen deutschen Landschaften bilden die zwölf geweihten Nächte, die Zeit zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag am 6. Januar, eine geschlossene Festzeit. Doch fast vergessen sind heute die Bräuche in diesen so genannten Raunächten, die auch "Zwischen den Jahren" oder einfach "die Zwölften" genannt werden.

Befragt man Historiker, hat der Ausdruck "Zwischen den Jahren" seinen Ursprung im alten babylonischen Mondkalender. Die "Zwölften" entsprechen astronomisch der Zahl von Tagen, welche die Differenz zwischen dem Mondjahr (354 Tage) und dem Sonnenjahr (366 Tage) ausmachen. In dieser Zeit vereinen sich nach altem Glauben die himmlischen und die irdischen Mächte. In der Dunkelheit und Kälte um den Jahreswechsel konnte in früheren Zeiten der Glaube an den Frühling leicht verloren gehen. Mit beschwörenden Gebeten und Zaubermitteln versuchten daher die Menschen einst, die unwirtlichen Elemente zu bannen.

Viele Verbotsregeln, die "Zwischen den Jahren" einst galten, führen Brauchtumsforscher auf das Bedürfnis zurück, eine Arbeitspause zur Besinnung einzulegen. Zwischen Heiligabend und Epiphanias (Fest der "Erscheinung des Herrn" am 6. Januar) durfte keine Wäsche gewaschen werden, Haare durften nicht geschnitten werden, der Spinnrocken der Mädchen und Frauen musste leer bleiben.

Erbsen durften nicht gegessen werden, weil sie eine kelchähnliche Zeichnung tragen, ein Leidenssymbol Christi. Den Tieren sollte es besonders gut gehen. Sie erhielten Heu, das um Mitternacht drei Mal um die Kirche getragen worden war. Am Epiphanias-Tag wurde Salz gesegnet, das ihnen das ganze Jahr Gesundheit bringen sollte.

Joche, die an diesem Tag in die Sonne gelegt wurden, sollten das Jahr über die Zugtiere weniger drücken. Bäume, die an Heiligabend um Mitternacht geschüttelt oder in Stroh gepackt wurden, sollten reichlich Früchte tragen.

In der Zeit "Zwischen den Jahren" versuchten Menschen auch, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Drei Messer, in einen Brotlaib gesteckt für Getreidefrucht, Obst und Wein, sollten durch ihr Anrosten zeigen, welche Ernte besonders reich ausfallen werde.