Rätsel des Alltags: Woher haben Nachtschatten- gewächse ihren Namen?

Rätsel des Alltags : Woher haben Nachtschatten- gewächse ihren Namen?

Düsseldorf (rpo). Warum heißen Nachtschattengewächse Nachtschattengewächse? Weil sie im Schatten wachsen oder vielleicht bescheren sie beim Verzehr auch einen Schatten (Schaden) im Hirn?

Das Wort "Nacht" kommt in verschiedenen Pflanzennamen vor, so etwa bei der Nachtkerze und bei der "Königin der Nacht". Erstere blüht am Abend für zwei Nächte auf, während sich die Blüten der "Königin der Nacht" nur einmal in der Dunkelheit öffnen. Erklärt also diese ungewöhnliche Blütezeit die Namens gebung?

"Diese naheliegende Vermutung ist falsch", weiß Thomas Stützel, Direktor des Botanischen Gartens in Bochum. "Die überwiegende Zahl und vor allem die ein heimischen Arten, die für die deutsche Namensgebung relevant sind, blühen am Tag." Die Familie weist über 2800 Arten auf, davon viele alte Bekannte wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Chili und Auberginen. Und keine dieser Pflanzen hat eine besondere Vorliebe für Schatten oder gar für "Nachtschatten".

Der Name indes ist schon aus dem Althochdeutschen (nahtscato bzw. nahtschate) bekannt. Bei der Übersetzung gibt es jedoch unterschiedliche Interpretationen: schate kann zum einen als "Schatten", zum anderen als "Schaden" interpretiert werden. Thomas Stützel: "Bei der Nacht, die hier zur Debatte steht, handelt es sich nicht um den Gegensatz zu hell im Sinn von Licht, sondern um die Nacht im Sinn von ,geistig umnachtet`."

Für Nikolai Friesen, Kustos des Botanischen Gartens in Osnabrück, führt die Spur der äußerst giftigen Vertreter der Pflanzenfamilie hin zu den mystisch umwobenen Zauberpflanzen vergangener Zeiten: der Tollkirsche, dem Bilsenkraut und dem bittersüßen, schwarzen "Nachtschatten". "Diesen nutzten unsere dämonengeplagten Ahnen für Heilund Zaubermixturen, um den Nachtschaden, also die nächtlichen Albträume zu vertreiben."

Die heimischen Nachtschattengewächse erzeugen durch ihre Alkaloide eine Wirkung im Gehirn, die man auch als Umnachtung, also Nachtschatten oder Schwarzer Schaden bezeichnete. Erst durch die Kartoffel und Tomate bekamen wir auch Nachtschattengewächse, die nicht so heftig im Hirn wirken. Der Name ist aber der alte geblieben.

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