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Corona-Parallelen zur Spanischen Grippe: Das Virus, das bleibt

Parallelen zur Spanischen Grippe : Das Virus, das bleibt

Der Mensch hat sich mit dem Virus der Spanischen Grippe epidemiologisch arrangiert. Das könnte auch mit einem durch Impfstoffe gezähmten Coronavirus passieren.

Im Jahr 1918 hielt die Spanische Grippe die Welt in Atem. Sie wurde durch Influenzaviren des Subtyps A/H1N1 hervorgerufen. Obwohl Coronaviren und Influenzaviren nicht miteinander verwandt sind, haben Covid-19 und die Spanische Grippe vieles gemeinsam. Beide Pandemien begannen durch einen Artensprung des Virus vom Tier auf den Menschen. Während das H1N1-Virus von Wasservögeln stammte, hat Sars-Cov-2 vermutlich in Fledermäusen seinen Ursprung. Die übergesprungenen Viren verbreiteten sich in wenigen Monaten weltweit und bildeten währenddessen Varianten aus. Bei beiden Pandemien wurden in Europa drei große Infektionswellen innerhalb eines Jahres verzeichnet, wobei die zweite Welle die meisten Todesopfer forderte.

Das H1N1-Influenzavirus von 1918 gilt als ein Gründervirus, denn alle folgenden Influenza-A-Erreger des 20. und 21. Jahrhunderts stammten von ihm ab. Hierzu zählen sowohl der Erreger der Asiatische Grippe von 1957 als auch jede Variante der heutigen saisonalen Influenza. Die zunehmende Anpassung der Influenzaviren an den Menschen, eine steigende Grundimmunität der Bevölkerung und jährlich modifizierte Impfstoffe beschränken die Grippe inzwischen zumeist auf lokal und zeitlich begrenzte Ausbrüche. Interessanterweise spalteten sich die 1918-H1N1-Viren in zwei Linien auf. Die eine Linie spezialisierte sich auf den Menschen, während sich die andere Linie in Schweinen weitervermehrte. Die Schweinegrippe von 2009 wurde von einer H1N1-Variante hervorgerufen, die vom Schwein zurück auf den Menschen sprang und dadurch eine Masseninfektion auslöste.

Auch SARS-CoV-2 wird bleiben. Es ist davon auszugehen, dass an den Menschen adaptierte Varianten, das Erlangen einer Herdenimmunität und verbesserte Impfstoffe zukünftige Covid-19-Ausbrüche in Schach halten können. Im Auge behalten werden müssen jedoch Varianten des Coronavirus in Haus- und Nutztieren. Ähnlich wie bei Influenzaviren könnten diese zurück auf den Menschen springen und so eine neue Pandemie hervorrufen.

Unsere Autorin ist Professorin für Infektionsbiologie an der RWTH Aachen. Sie wechselt sich hier mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter ab.