40 Millionen Infizierte weltweit Wie Aids die Gesellschaft veränderte

Meinung · Bis heute sterben knapp eine Millionen Menschen an Aids. In seinen Anfängen wurde Aids als Krankheit Homosexueller stigmatisiert. Doch dann führte die Epidemie zum gesellschaftlichen Umdenken. So hat der Kampf gegen Aids doch zu etwas Großem geführt.

 Viele rote Schleifen, das weltweit anerkannte Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten, liegen am Welt-Aids-Tag auf einem Tisch (Archivfoto).

Viele rote Schleifen, das weltweit anerkannte Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten, liegen am Welt-Aids-Tag auf einem Tisch (Archivfoto).

Foto: dpa/Lukas Schulze

Der 1. Dezember war Welt-Aids-Tag. Er soll uns an eine Epidemie erinnern, die inzwischen wenig beachtet wird, aber sich immer noch verbreitet. Wissenschaffende wurden 1981 zum ersten Mal auf Aids aufmerksam, als mehrere Homosexuelle in Los Angeles an einer seltenen, durch Pneumozysten hervorgerufenen Lungenentzündung erkrankten. Eine französische Forschungsgruppe isolierte zwei Jahre später das Aids-verursachende HIV-Virus aus Patientengewebe. Da es T-Lymphozyten befällt, schwächt HIV das Immunsystem der Infizierten und macht sie anfällig für opportunistische Infektionen wie Pilzerkrankungen und Lungenentzündungen. HIV kann außerdem zu Lymphomen führen.

Bis heute sterben knapp eine Millionen Menschen an Aids und fast 40 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert. HIV ist ein Retrovirus, das sein Genom in die DNA befallener Zellen integriert. Es ist damit ein Schläfer, der unerwartet erwachen und sich vermehren kann. Wer einmal mit HIV infiziert ist, behält das Virus ein Leben lang. Trotz langjähriger internationaler Bemühungen gibt es bis heute keinen schützenden Impfstoff. Die Infektion kann nur mit teuren Medikamenten in Schach gehalten werden, die dauerhaft genommen werden müssen.

Als Rock Hudson 1985 als erster Prominenter an Aids starb, war der gesellschaftliche Schock über seinen Tod nicht annähernd so groß wie der über seine geheim gehaltene Homosexualität. Mitte der Achtziger lief Aids Gefahr, als Krankheit Homosexueller stigmatisiert zu werden, die von Homophoben auch als Strafe Gottes bezeichnet wurde. Doch die Gay-Community wehrte sich. Berühmte Künstler starteten die Rote Schleife-Kampagne und Schauspielerinnen wie Liz Taylor appellierten für mehr Toleranz. Eine Dekade später war klar, dass sich Heterosexuelle genauso wie Homosexuelle mit HIV infizieren können – Aids kann jeden treffen. Obwohl Aids weiter sein Unwesen treibt, hat der Kampf gegen Aids doch zu etwas Großem geführt, der gesteigerten Akzeptanz gegenüber gesellschaftlicher Diversität.

Unsere Autorin ist Professorin für Infektionsbiologie an der RWTH Aachen. Sie wechselt sich hier mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter ab.

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