Düsseldorf: Wie Menschen die Erde verbrauchen

Düsseldorf : Wie Menschen die Erde verbrauchen

Die Welt ist für ihre Bevölkerung schon längst viel zu klein. Der moderne Mensch nutzt 20 Prozent mehr Ressourcen, als ihm die Erde eigentlich liefern kann. Wissenschaftler warnen vor unserem "ökologischen Fußabdruck" und seinen Folgen für die Umwelt.

Der Mensch lebt auf großem Fuße. Er ist ein großer Verbraucher, und für all seine Wünsche steht ihm nichts weiter zur Verfügung als die Erde. Doch die, so warnen Wissenschaftler, ist eigentlich schon längst zu klein dafür geworden. Bereits Mitte der Neunziger entwickelten zwei kanadische Wissenschaftler den Begriff des "ökologischen Fußabdrucks", um die zahlreichen Daten und Wirkungszusammenhänge der Umwelt in einem einzigen, leicht handhabbaren Wert darzustellen.

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass jeder Mensch zum Leben ein bestimmtes Quantum Rohstoffe und Energie benötigt, das ihm die Erde an Land- und Wasserflächen zur Verfügung stellt. So benötigt man etwa für das saftige Steak ein Rind, das mit Futter, Wasser und Energien versorgt werden muss, und das Tier produziert wiederum Fäkalien, Kohlendioxid und Methangase, mit denen die Natur klar- kommen muss. Für all das braucht man die Flächen und biologischen Kapazitäten der Erde, und Nahrung ist ja nur eines von vielem, das wir wollen.

Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass der einzelne Mensch derzeit etwa 2,2 Hektar Erdfläche für die Befriedigung seiner Bedürfnisse benötigt – und genau das ist sein ökologischer Fußabdruck. Tatsächlich stehen ihm jedoch nur 1,8 Hektar zur Verfügung.

"Seit etwa 30 Jahren wird die biologisch produktive Fläche stärker genutzt, als sie ertragen kann", erklärt der Ökologe Karl von Koerber aus München. Der moderne Mensch braucht also 20 Prozent mehr, als die Erde ihm liefern kann. Es wären eigentlich 1,2 Planeten nötig, um seine Bedürfnisse befriedigen zu können. Das geht natürlich nicht, weswegen die schwächeren Bewohner des Planeten – also Tiere und Pflanzen, aber auch die Menschen aus ärmeren Regionen – zurückstecken müssen. Entweder, indem sie hungern oder sich zurückziehen. Oder sogar, wie es bei vielen Tier- und Pflanzenarten derzeit geschieht, indem sie aussterben und für immer vom Globus verschwinden.

Es gibt Länder wie etwa Äthiopien oder Indien, in denen die Menschen mit weniger als einem Hektar zum Überleben auskommen müssen. Doch dafür gibt es wieder andere, die umso maßloser sind. "Wollten alle Menschen auf der Welt das derzeitige Konsumniveau in den USA erreichen, würde man beim heutigen Stand der Technik vier weitere Planeten wie die Erde benötigen", erklärt der US-amerikanische Sozialbiologe Edward Wilson.

Die Bewohner zwischen New York und San Francisco brauchen mehr als zehnmal so viel Land wie die Menschen in Indien. Der ökologische Fußabdruck eines Europäers ist zwar niedriger, aber mit 4,7 Hektar immer noch hoch. Und er wiegt, unter globalen Gesichtspunkten, ähnlich schwer wie der amerikanische, weil Länder wie Deutschland nur über wenig eigene Anbauflächen, Rohstoffe und Biokapazitäten verfügen und sich daher umso mehr woanders bedienen müssen. Man denke nur an die vielen Tonnen Erdöl und Erze, aber auch an die unzähligen Kisten mit Früchten und Kaffee, die wir importieren müssen. Überhaupt entlarvt der ökologische Fußabdruck, dass man hierzulande noch lange nicht so weit ist, wie gerne behauptet wird. So legt der Bundesbürger pro Jahr 12 000 Kilometer mit dem Auto zurück. Davon entfällt die Hälfte auf Kurzstrecken, die besonders umweltbelastend sind, weil ein kalter Motor viel mehr Kraftstoff verbraucht und dementsprechend mehr Kohlendioxid ausstößt. Wer beispielsweise an 200 Tagen im Jahr seine durchschnittlichen sechs Kilometer zur Arbeit radelt, statt sie mit dem Auto zurückzulegen, kann den Ausstoß des Treibhausgases um eine Vierteltonne senken. Und dadurch würde er auch seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verkleinern, denn das Kohlendioxid muss schließlich von irgendwelchen Wald- oder Ozeanflächen aufgenommen und verarbeitet werden.

Karl von Koerber hält die Ernährungsumstellung für einen Königsweg zur Besserung der Öko-Bilanz: "Die Umwelt könnte ganz erheblich entlastet werden, wenn weniger tierische Produkte verzehrt würden." So wird mehr als ein Drittel der Weltgetreideernte an Tiere verfüttert, um Fleisch, Milch und Eier zu produzieren. Für von Koerber ist das ein klarer Fall von "Ressourcenverschwendung". Und ein Appell, sich doch häufiger einmal vegetarisch zu ernähren. Denn würden die Menschen das betreffende Getreide, das sonst in den Tiermägen landet, direkt verzehren, würde das nicht nur viele Energien sparen, sondern zusätzlich auch viele Abfälle und Treibhausgase vermeiden helfen. Außerdem erzeugt die Produktion von pflanzlichen Bio-Lebensmitteln insgesamt einen geringeren ökologischen Fußabdruck, da weniger schädliche Vormittel verwendet werden (siehe Info).

(RP)
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