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Was die Welt bewegt: Wie funktioniert Selbstbräuner?

Was die Welt bewegt : Wie funktioniert Selbstbräuner?

In der vorindustriellen Zeit wurden zum Färben von Haut und Haaren natürliche Extrakte aus frischen grünen Walnuss-Schalen oder Henna verwendet. Heute hingegen gibt es die Bräune aus der Tube. Ob Creme, Lotion oder Spray, ob teuer oder günstig: Die meisten Hersteller verwenden in Sachen Hautfärbung den Inhaltsstoff Dihydroxyaceton, kurz DHA, in der Chemikersprache Propan-1,3-diol-2-on.

Hergestellt wird die Verbindung auf biochemischem Weg mit Hilfe des Bakteriums Acetobacter suboxydans aus Glycerin. Reines Dihydroxyaceton bildet süß schmeckende und kühlende Kristalle, die leicht in Wasser löslich sind.1920 wurde ein Versuch zur Austestung von potenziellen Diabetiker-Süßstoffen durchgeführt. Unter den Substanzen war auch DHA. Als Süßstoff erwies sich die Verbindung als unbrauchbar — seine Färbungswirkung indes wurde Mitte der 50er Jahre durch Zufall von Eva Wittgenstein an der Kinderklinik der University of Cincinnati entdeckt.

Die Reaktion, benannt nach ihrem Entdecker, dem franko-algerischen Mediziner und Pharmazeuten Louis-Camille Maillard (1878-1936), erklärt sich so: In Verbindung von DHA mit den freien Aminogruppen der Eiweiße in der äußeren Hornschicht werden braune Pigmente (Melanoide) gebildet, welche die Hornschicht braun färben.

Nach etwa 30 Minuten ist die Lotion/Creme komplett eingezogen, nach sechs Stunden ist die maximale Färbung erreicht. Die künstliche Bräunung verschwindet meist schon vor Ablauf einer Woche durch die natürliche Zellerneuerung, da DHA nicht in die unteren Hautschichten gelangt. Selbstbräuner regen also nicht die Melaninproduktion der Haut an. Deshalb zeigt die dünne DHA-Schicht auch keine Filterwirkung gegen die langwellige hautschädigende UV-A-Strahlung.

Deshalb findet man zunehmend Selbstbräuner, deren Inhaltsstoffe auf einer natürlichen Zuckerart, der Erythrulose beruhen. Allerdings ist bei diesen Produkten das Ergebnis erst nach zwei Tagen sichtbar. Der Vorteil: Dieser Zucker bräunt gleichmäßiger.