Düsseldorf: Wie eine Hochspannungsleitung entsteht

Düsseldorf : Wie eine Hochspannungsleitung entsteht

Das Stromnetz ist das Nadelöhr, durch das die gesamte Energiewende muss: Der Wind weht im Norden, die Sonne scheint vor allem im Süden, gebraucht wird der Strom aber überall. Wenn die Offshore-Parks in der Nordsee also auch NRW versorgen sollen, müssen neue Stromleitungen her. 3800 Kilometer wollen die vier großen Übertragungsnetzbetreiber in den nächsten Jahren in Deutschland zusätzlich verlegen. Wie funktioniert der Bau einer Stromtrasse?

Freiland-Leitungen Wenn die überall gut sichtbaren Hochspannungsmasten aufgestellt werden, ist die meiste Arbeit schon getan. Am Anfang steht die Suche nach geeigneten Trassen, die sich möglichst von Wohngebieten fern halten sollen, aber auch möglichst kurz sein müssen: "Ein Kilometer Freiland-Leitung kostet 1,2 Millionen Euro", sagt Marian Rappl, Sprecher des Netzbetreibers Amprion. Dann folgt das Genehmigungsverfahren: Bürger müssen befragt, Einspruchsfristen berücksichtigt und die Nutzungsrechte für Grundstücke eingekauft werden. Der eigentliche Bau beginnt mit dem Beton-Fundament, das je nach Untergrund entweder als Platte oder als Säulen-Geflecht versenkt wird. Die 30 Tonnen schweren und 50 bis 70 Meter hohen Strommasten aus Stahl werden von regionalen Mittelständlern in zwei bis drei vormontierten Teilstücken geliefert und vor Ort mithilfe von Krähnen zusammengeschraubt. Rund 400 Meter weiter entsteht dann der nächste Mast. Über die Masten werden zwei Leitungen gelegt: Innen je ein Seilzug aus Stahl für die Trag- und Zuglast, außen Aluminium, das den Strom leitet. Über die Spitzen der Masten verläuft ein Blitzschutz-Seil, unter Umständen noch weitere Kabel für die Kommunikation. Jede der beiden Leitungen ist auf den Transport von 1800 Megawatt Strom ausgelegt, die ganze Trasse also für 3600 Megawatt. "Das reicht für über drei Millionen Menschen", sagt Rappl. Bemerkenswert ist die enorme Spannung auf der Leitung: 380 000 Volt. Zum Vergleich: Im Haushalt verwenden wir 220 Volt. "Die hohe Spannung ist notwendig, damit auf dem langen Weg möglichst wenig Strom verloren geht", erklärt Rappl.

Erdkabel Die oft verlangte unterirdische Verlegung von Hochspannungskabeln gibt es noch gar nicht. Bevor diese Technik Routine wird, muss sie noch erprobt werden. Die erste deutsche "Teststrecke" will Amprion in Raesfeld nördlich von Wesel verlegen, das Genehmigungsverfahren für den drei Kilometer langen Kanal läuft noch. Bei der Erdkabel-Leitung wird ein Bündel von zwölf Kabeln etwa zwei Meter tief vergraben– in zwei parallelen Gräben mit je sechs Metern Breite. Das Bett des Grabens wird mit Sand und anderen Dämmmaterialien ausgelegt, um das Erdreich vor der Hitze der Leitungen zu schützen. Das Vergraben von Hochspannungsleitungen ist teuer: Erdkabel-Trassen kosten das Siebenfache von Freiland-Leitungen.

(RP)
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