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Rätsel des Alltags: Wer weist dem Zugvogel den Weg?

Rätsel des Alltags : Wer weist dem Zugvogel den Weg?

Düsseldorf (RP). Zugvögel legen auf ihren Reisen nicht selten Entfernungen von mehreren tausend Kilometern zurück. Woher kennen sie eigentlich den richtigen Zeitpunkt für den Rückflug, und vor allem, wie finden sie den Weg zurück?

Zugvögel verfügen über ein eingebautes Jahreszeit-Programm, das periodisch ablaufende Vorgänge zeitgerecht steuert. "Dazu zählen neben Mauser und Fortpflanzung auch die den Zug vorbereitenden und ihn dann zeitlich steuernden Prozesse wie etwa die Anlage eines Fettdepots", erklärt Eberhard Curio, Biologie-Professor an der Ruhr-Universität Bochum.

Über die "Zugunruhe" lässt sich messen, welche Information zum Thema Reisestrecke Vögel schon aus dem Ei mitbringen, so dass auch der auf sich gestellte Nachwuchs weiß, wie weit er aus seinem Brutgebiet ins Winterquartier fliegen muss - und wieder zurück.

Die Zugunruhe packt selbst Käfig-Vögel. Das entdeckte der Max-Planck-Wissenschaftler Peter Berthold: Nacht für Nacht beobachteten Videokameras handaufgezogene Gartengrasmücken, die noch nie natürliche Umgebung gesehen hatten. Die meisten Vögel saßen auf einer Stange und ließen die Flügel schwirren.

Die Auswertung der Flügelbewegungen ergab eine mittlere Dauer von 165 Stunden pro Herbst. Diese "Bewegungsmenge" entspricht einer Gesamtflugstrecke von rund 4.800 Kilometern. Damit würden süddeutsche Gartengrasmücken (mittlere Reisegeschwindigkeit 25 bis 30 km/h) auf ihrem Zugweg über die iberische Halbinsel etwa bis zur Nigermündung kommen: exakt ins Zentrum ihres Winterquartiers.

Curio: "Das innere Programm, das der Zeitsteuerung zugrunde liegt, schwankt mit der geographischen Breite und ist an die klimatischen Vorgaben von Brutort und Überwinterungsquartier angepasst." Die räumliche Orientierung des Zuges wird durch eine Kombination der Sinnesauswertungen von Sonnen- oder Gestirnsstand, dem Magnetfeld der Erde und von Landmarken gewährleistet. "Unter Nutzung dieser Reize vermag der Zugvogel auch Routenänderungen vorzunehmen."

Hierbei, so Curio, hilft ihm wiederum ein inneres Zeitprogramm, das ihm im rechten Moment auf seiner mehrwöchigen Reise sagt, um welchen Winkel er in welcher Himmelsrichtung von seiner bisherigen Kompassrichtung abzuweichen hat.

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(alfa)