Auf Truppenübungsplätzen gedeiht Artenvielfalt: Wenn Panzer Biotope schaffen

Auf Truppenübungsplätzen gedeiht Artenvielfalt : Wenn Panzer Biotope schaffen

Torgelow (rpo). Panzer als Landschaftspfleger? Dieser Gedanke kommt einem so nicht in den Sinn. Doch auf den Truppenübungsplätzen der Bundeswehr fühlt sich die Natur wohl, denn große Teile solcher Gelände werden nicht intensiv genutzt.

Es ist verblüffend, aber nicht von der Hand zu weisen: Die Bundeswehr macht sich auf ihren für die Öffentlichkeit gesperrten Truppenübungsplätzen um den Umweltschutz verdient. Davon ist Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Wolfgang Methling fest überzeugt. Der PDS-Politiker sieht die militärische Nutzung von Naturschutzgebieten, beispielsweise am vorpommerschen Standort Torgelow, geradezu als Segen für die Erhaltung bedrohter Arten und typischer Landschaften an.

Selbst der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) verschließt sich dieser Auffassung nicht. "Trotz aller störenden Einflüsse sorgt die Bundeswehr auch für positive Umwelteffekte", räumt der baden-württembergische BUND-Geschäftsführer Michael Spielmann ein.

Strenge Dienstvorschriften

In den zahlreichen großflächigen Sperrgebieten, die häufig von hohem ökologischen Wert sind, herrscht ein strenges Regime hinsichtlich des Umweltschutzes und der Beseitigung angerichteter Schäden, wie Oberstleutnant Rolf Voßmeyer vom Torgelower Truppenübungsplatz berichtet. "Umweltschutz gehört zu den Kernaufgaben der Bundeswehr", betont er. Ein Blick in die Dienstvorschriften bestätigt, dass eine ganze Palette von Auflagen besteht, angefangen von der grundsätzlichen Anweisung zum Umweltschutz über Richtlinien zur nachhaltigen Nutzung von Übungsplätzen bis hin zur Betreuung von Natur und Landschaft.

Allerdings werden Umweltschutz und Landschaftserhaltung bei den Streitkräften nicht nur auf Weisungsgrundlage betrieben, sie sind oft ein Nebenprodukt. Wenn beispielsweise schwere Kettenfahrzeuge den Boden in den zusammen fast 2.500 Hektar großen Torgelower Naturschutzgebieten Waldhof-Jägerbrück und Schwarzer See zerpflügen und Buschwerk und Bäumchen niederwalzen, verhindern sie das Zuwachsen der dort typischen europäischen Trockenheide. "Auf diese Weise können, so unglaublich es klingt, Panzer zu Landschaftspflegern werden", sagt Methling.

Spielmann hat ein ähnliches Beispiel aus der Schwäbischen Alb parat, wo man den beabsichtigten Rückzug der Bundeswehr aus einem Übungsgebiet mit seltenen Arten geradezu bedauert. Dort haben sich die von der schweren Militärtechnik im Gelände hinterlassenen tiefen Fahrrinnen zu Biotopen entwickelt. Die seltenen Gelbbauchunken schätzen die im Frühjahr mit Wasser gefüllten Rad- und Panzerkettenspuren als idealen Platz für die Brutablage, der Nachwuchs entwickelt sich dort prächtig.

Wie die Jungfrau zum Kinde

In die Rolle des Umweltschützers ist die Bundeswehr für Spielmann allerdings "wie die Jungfrau zum Kind gekommen". Die glücklicherweise relativ seltene Geländenutzung, die zudem meist nur einen Bruchteil der Sperrgebiete betrifft, lässt eine nahezu ungestörte Entwicklung von Biotopen in Mooren, Gewässern und anderen unzugänglichen Räumen zu und ermöglicht Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Dieses Phänomen ist auch vom ehemaligen Todesstreifen an der einstigen innerdeutschen Grenze her bekannt.

Die Verdienste der Streitkräfte um die Umwelt sollten nach Ansicht des Sprechers Philipp Prein von der BUND-Zentrale in Berlin nicht überbewertet werden. Die Bundeswehr versuche bewusst ein positives Umwelt-Image herauszukehren und damit die zahlreichen belastenden Konflikte zu überdecken, meint Prein. "Militärische Nutzung von Naturräumen ist und bleibt problematisch."

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