Düsseldorf: Weniger Tote durch Herz-Erkrankungen

Düsseldorf : Weniger Tote durch Herz-Erkrankungen

Doch noch immer klagen Spezialisten, dass die medizinische Versorgung in Deutschland sehr unterschiedlich ist.

Die Nachricht der Ärzteverbände aus der Herzmedizin klingt zunächst sehr erfreulich – aber nur, wenn man am richtigen Wohnort wohnt, muss man einschränken. Der akute Herzinfarkt hat beispielsweise etwas von seiner tödlichen Gefahr verloren. In den vergangenen zehn Jahren nahm die Sterbeziffer (Todesfälle auf 100 000 Einwohner, bereinigt um statische Effekte) für diese Diagnose bei Männern um fast 16 und bei Frauen um mehr als 18 Prozent ab. Für die häufigste Todesursache, Durchblutungsstörungen am Herzen, sank die Sterbeziffer binnen zehn Jahren um 20 Prozent.

"Insgesamt geht die Sterblichkeit bei Herzerkrankungen in Deutschland kontinuierlich zurück", fasst Georg Ertl, Präsident der deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die Kernaussagen des Deutschen Herzberichts 2011 zusammen. Auch alte Menschen profitierten zunehmend von den Fortschritten der Medizin. Bestimmte kardiologische Eingriffe würden mittlerweile in fast der Hälfte der Fälle bei Patienten durchgeführt, die älter als 70 Jahre sind. "Das war vor kurzer Zeit noch kaum vorstellbar", sagt Ertl und sieht darin einen enormen Fortschritt.

Doch entscheidend für die Lebensdauer bleibt der Wohnort. Während in Rosenheim, Wismar oder Trier weniger als 3,5 Prozent aller Verstorbenen einem Herzinfarkt zum Opfer gefallen sind, liegt der prozentuale Anteil in den Landkreisen Uckermark oder Spree-Neiße bei elf oder gar 12,6 Prozent. In 26 Kreisen und Städten liegt die Sterblichkeitsrate bei Herzerkrankungen um zwanzig Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Auch im Erfolg der Behandlung von angeborenen Herzfehlern und Herzklappenkrankheiten gibt es massive Unterschiede.

"Die Versorgung für Patienten mit Herzerkrankungen ist in den verschiedenen Regionen nicht gleich gut", kritisiert Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, die die umfassende Studie mit Patientendaten aus dem Jahr 2010 gestern vorstellte. Die Versorgung von Notfällen kranke an einem wenig effektiven Notarztsystem; Vorsorge scheitere oft an der geringen Ärztedichte und dem niedrigen Gesundheitsbewusstsein, weil die Informationen über Herzkrankheiten manche Teile der Gesellschaft nicht erreichen, klagt der Experte. Für die Städte und Landkreise in NRW zeigen die Karten überwiegend grüne Flächen, die eine bessere Versorgung als im Durchschnitt signalisieren – mit Ausnahme einiger Bereiche des Ruhrgebiets. Wie ein roter Faden ziehen sich zwei Aspekte durch den Herzbericht: Herzpatienten kommen früher als noch vor zehn Jahren ins Krankenhaus und werden dort besser und dank minimal invasiver Verfahren auch schonender behandelt. Zudem werden Krankheiten wie Rhythmusstörungen oder Klappenfehler durch bessere Diagnostik früher erkannt.

Doch trotz der in der Summe überwiegend positiven Botschaften beinhaltet die Statistik auch besorgniserregende Nachrichten. Zwar ging die Sterbeziffer bei der Herzinsuffizienz um 15 Prozent zurück, dieser Effekt entfällt aber überwiegend auf die Männer. Seit 1994 haben Frauen bei diesem Krankheitsbild eine doppelt so hohe Sterbeziffer wie Männer. Warum das so ist, können die Mediziner nicht erklären. Vermutlich sind sich Frauen des Risikos weniger bewusst.

Zunehmend profitieren die Patienten auch von Herzschrittmachern und Defibrillatoren, von denen fast 25 000 im Jahr 2011 implantiert wurden.

(RP)
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