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"HIV Status Report": UN: Immer mehr Frauen erkranken an Aids

"HIV Status Report" : UN: Immer mehr Frauen erkranken an Aids

London (rpo). Die Vereinten Nationen sind sich sicher, dass die tödliche Immunschwäche weltweit nicht vor dem Ende der Frauen-Unterdrückung zu besiegen ist. Gerade in Entwicklungsländern sieht die Organisation UNAIDS noch Handlungsbedarf. Denn hier trügen Armut, mangelhafte Bildung, Vergewaltigung und die fehlende Gleichberechtigung dazu bei, dass gerade immer mehr Frauen an Aids erkranken würden.

Gewalt gegen Frauen sei eine weltweite Geißel, die insbesondere in armen Ländern die Ausbreitung des Aids-Virus begünstige. In vielen Entwicklungsländern hätten Frauen und Mädchen einfach keine Chance, Sex abzulehnen oder auf Kondome zu bestehen. Und für Millionen von Frauen sei Sex zudem die einzige Verdienstmöglichkeit.

Die Tatsache, dass Männer in vielen Beziehungen mehr Macht hätten, könne über Leben und Tod entscheiden, hieß es weiter. Gleichberechtigung durchzusetzen sei nicht einfach, solange das aber nicht gelinge, werde es im globalen Kampf gegen Aids keinen nachhaltigen Erfolg geben.

Schere öffnet sich

Fast die Hälfte der 39,4 Millionen mit Aids infizierten Menschen seien inzwischen Frauen, berichtet UNAIDS weiter. In Regionen, in denen die Epidemie um sich greife, würden mehr Frauen als Männer infiziert. Auch dort, wo sie gerade beginne, würden mehr Frauen als Männer infiziert - und die Schere öffne sich weiter.

Ostasien habe in den vergangenen zwei Jahren den höchsten Anstieg von HIV-Infektionen bei Frauen registriert: 56 Prozent. Danach folgten Osteuropa und Mittelasien mit 48 Prozent. In der Karibik, der am meisten von Aids betroffenen Region nach dem Afrika südlich der Sahara, sei die Ansteckungsgefahr für junge Frauen doppelt so hoch wie für Männer.

Das habe zum einen damit zu tun, dass die Ansteckungsgefahr für Frauen beim Geschlechtsverkehr höher sei als die für Männer. Zum anderen sei das Virus insbesondere in Asien nicht mehr auf die Beziehungen zwischen Prostituierten und Freiern begrenzt. Vor zwölf Jahren zum Beispiel hätten in Thailand 90 Prozent der HIV-Übertragungen in den Bordellen stattgefunden. Inzwischen seien die Hälfte der Ansteckungen Ehefrauen, die von ihren Männern infiziert werden, die bei Prostituierten waren, hieß es.

Neuer Ansatz nötig

UNAIDS folgerte daraus, dass es in vielen Ländern der Welt nicht mehr helfe, die Bedeutung von Ehe und langfristigen monogamen Paarbeziehungen zu betonen. Diesen Ansatz verfolgt etwa das amerikanische Anti-Aids-Programm.

UNAIDS-Chef Peter Piot forderte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP, Aids müsse zu einem Katalysator für die Frauenrechte in den Entwicklungsländern werden. "Es hat dafür schon genug Gründe vor Aids gegeben. Jetzt aber ist diese ganze Verbindung von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und Tod noch nie so direkt gewesen wie mit Aids." Die Frauenbewegung und die Bewegung gegen Aids müssten zueinander finden. "Wenn wir die Frauen nicht ins Zentrum der Reaktion gegen Aids stellen, werden wir letztlich nicht in der Lage sein, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen."

(ap)