Oman: Analog-Astronauten simulieren den Mars auf Erden

Station in Wüste von Oman: Analog-Astronauten simulieren den Mars auf Erden

Die Menschheit hat einen großen Traum und strebt zum Roten Planeten. Aber wie bereitet man sich darauf vor? Menschen und Maschinen werden in unwirtlichen Gegenden getestet, die angeblich den Bedingungen auf dem Mars ähneln sollen. So auch in der Wüste von Oman.

In blendend weißen Raumanzüge bewegen sich die beiden Wissenschaftler durch die rotbraune, trostlose Gegend mit felsigen Ebenen und Sanddünen. Sie testen ein Bodenradar, indem sie die flache Box über den steinigen Sand ziehen. Als das Gerät zur Bodenuntersuchung aufhört zu arbeiten, gehen die beiden zu ihrem Geländefahrzeug zurück und funken ihre Kollegen in der Basisstation an, um sich neue Anweisungen zu holen.

Auch wenn es so aussieht - die Wissenschaftler bewegen sich nicht auf dem Mars, sondern auf der Arabischen Halbinsel. Die Dhofar-Wüste im Südwesten des Sultanats Oman im Grenzgebiet zum Jemen und Saudi-Arabien ähnelt dem Roten Planeten so sehr, dass in den kommenden vier Wochen dort mehr als 200 Wissenschaftler aus 25 Nationen in Feldversuchen die Technologie für eine bemannte Mars-Mission testen.

Öffentliche wie private Unternehmen liefern sich ein Rennen um den ersten Marsflug. Sowohl der ehemalige US-Präsident Barack Obama wie der Gründer des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, Elon Musk, haben erklärt, dass in ein paar Jahrzehnten Menschen auf dem Mars spazieren würden. Neben den USA und Russland hat mittlerweile auch China Raumfahrtambitionen in diese Richtung entwickelt.

Der erfolgreiche Start der "Falcon Heavy"-Rakete von SpaceX Anfang Februar eröffne komplett andere Dimensionen für das, was man in den Weltraum bringen und zum Mars schicken könne, sagt Kartik Kumar, einer der sogenannten Analog-Astronauten, die in der Wüste von Dhofar üben. "Das kann man meiner Meinung nach gar nicht unterschätzen", schwärmt er.

Die Oberfläche der Wüste sei der des Mars' so ähnlich, dass es schwerfalle, die Unterschiede zu beschreiben, sagt Kumar. "Aber es geht noch weiter: Die Geomorphologie, all die Strukturen, die Salzstöcke, Flussbetten, Trockentäler - all das ähnelt stark dem, was wir auf dem Mars sehen."

Die Regierung des Oman hatte während eines Treffens des UN-Komitees zur friedlichen Nutzung des Weltalls angeboten, Gastgeber der nächsten Mars-Simulation des Österreichischen Weltraum Forums zu sein. Gernot Grömer, der bereits elf Wissenschaftsmissionen auf der Erde geleitet hatte, zögerte nicht lange, sagte zu und ist nun Kommandant der Oman-Mars-Mission.

Ein Raumanzug als persönliches Raumschiff

Wissenschaftler aus aller Welt reichten Ideen für Experimente ein, die bei der Mission mit Namen Amadee-18 durchgeführt werden sollten. 16 Tests finden nun statt. Unter anderem wird ein neuer Raumanzug ausprobiert, der rund 50 Kilogramm wiegt und "Persönliches Raumschiff" genannt wird, weil man darin atmen, essen und sogar wissenschaftliche Experimente durchführen kann.

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"Egal, wer dann zur größten Reise unserer Gesellschaft aufbricht (...) - ich denke, dass ein paar Dinge, die wir hier gerade lernen, bei dieser Mission eingesetzt werden", sagt Grömer.

Bereits vor mehr als 60 Jahren, als sich die USA und die Sowjetunion ein Wettrennen um die erste Mondlandung lieferten, testeten die beiden Supermächte verschiedene Szenarien auf der Erde. Gegenden mit unwirtlichen Bedingungen wie Arizona oder Sibirien wurden genutzt, um die Raumkapseln zu verbessern. Die Raumfahrtbehörden sprechen in einem solchen Fall von Analogien, weil sie den Extremen im Weltall ähneln.

"Du kannst Systeme an solchen Orten testen und sehen, wo sie zusammenbrechen. Du kannst sehen, wann Dinge versagen und welche Optionen man anwenden muss, damit sie nicht auf dem Mars versagen", erklärt João Lousada, einer der Leiter der Mission im Oman. Sonst ist er für die Flugkontrolle der Internationalen Raumstation ISS zuständig.

"Analogien auf der Erde sind ein Werkzeug im Werkzeugkasten der Weltraumforschung. Aber sie sind kein Allheilmittel", sagt Scott Hubbard. Er leitete das amerikanische Mars-Programm und kam so zu dem Spitznamen "Mars-Zar". Mit einigen Simulationen konnte man Erkenntnisse für die Entwicklung von Kameras, Fahrzeugen, Raumanzügen oder geschlossenen Lebenserhaltungssystemen gewinnen, wie er sagt.

Die Nasa habe in der Mojave-Wüste mögliche Fahrzeuge für den Roten Planeten getestet. Aber sie habe auch viel darüber erfahren, wie sich Menschen anpassen können. "Die Fähigkeit des Menschen, sich in einer unstrukturierten Umgebung anzupassen, ist noch immer weit, weit besser als die jedes Roboters, den wir ins All schicken können", sagt Hubbard. Nicht nur Roboter, sondern vor allem Menschen werden seiner Meinung nach der Schlüssel für die Erforschung des Mars' sein.

Auch die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat zahlreiche Analog-Projekte auf ihrer Liste - in allen Erdteilen und sogar in Deutschland. Israelische Wissenschaftler planen, eine etwas kürzere Simulation in einem Naturschutzgebiet durchzuführen, das sie D Mars nennen.

Trotzdem gebe es noch immer so viele Unbekannten, dass die Simulation keinesfalls ein Ersatz dafür sein könne, wirklich auf dem Mars zu sein, sagt Hubbard. Dass das tatsächlich schon in einigen Jahren der Fall sein wird, glaubt indes das Oman-Team. "Der erste Mensch, der den Mars betreten wird, ist schon geboren. Vielleicht geht er hier im Oman in die Grundschule, vielleicht in Europa, in den USA oder in China", sagt Lousada.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Astronauten trainieren in der Wüste für den Mars

(felt)