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Rückschlag für US-Raumflüge: NASA legt vorerst alle Shuttle-Flüge auf Eis

Rückschlag für US-Raumflüge : NASA legt vorerst alle Shuttle-Flüge auf Eis

Houston (rpo). Nur einen Tag nach der Wiederaufnahme ihrer Shuttle-Flüge nach zweieinhalbjähriger Zwangspause hat die US-Raumfahrtbehörde NASA weitere Reisen zur Internationalen Raumstation auf Eis gelegt. Vor einem weiteren Flug will sie herausfinden, warum sich beim Start der Discovery abermals ein großes Stück Isolierungsschaum vom Außentank gelöst hatte.

Bis das Problem gelöst sei, "werden wir nicht mehr fliegen", sagte der Leiter des Shuttle-Programms, Bill Parsons, am Mittwoch in Houston. Nach seinen Angaben hat das abgeplatzte Teil das Shuttle aber offenbar nicht beschädigt. Am Donnerstag sollte die Discovery mit ihrer Besatzung an der ISS andocken.

Während sich die Discovery noch auf der Reise zur Internationalen Raumstation ISS befand, hatten die sieben Astronauten mit Hilfe einer Infrarot-Kamera und eines Laser-Scanners stundenlang Flügel und Nase des Shuttle auf mögliche Schäden untersucht, ohne etwas zu entdecken. Auf Aufnahmen während des Starts war zuvor zu sehen gewesen, wie sich ein größeres Stück aus der Isolierschicht löste und ein kleines Teil von einer Hitzeschutzkachel abplatzte.

In Erinnerung an die Columbia ordnete die NASA daraufhin eine akribische Schadensuche an - die damalige Katastrophe war durch ein Stück Isolierschaum verursacht worden, das beim Start vom Außentank abgeplatzt war und unbemerkt ein Loch in den Hitzeschutz des Orbiters geschlagen hatte. Beim Landeanflug Anfang Februar 2003 brach das Shuttle auseinander, alle sieben Astronauten an Bord starben. Seitdem blieben die Raumfähren auf dem Boden. Die NASA investierte rund eine Milliarde Dollar (etwa 830 Millionen Euro), um sie sicherer zu machen. Dass sie trotzdem nicht verhindern konnte, dass sich erneut Isolierschaum ablöste, bezeichnete der sichtlich enttäuschte Programmchef als einen Rückschlag.

Wann die Shuttle-Flüge wieder aufgenommen wurden, sagte Parsons nicht. Als nächstes sollte die Raumfähre Atlantis im September zur ISS fliegen, für die Europäische Raumfahrtagentur ESA sollte dabei der deutsche Astronaut Thomas Reiter mit an Bord sein. Die neuerliche Zwangspause für die verbliebenen Shuttle ist nicht nur ein schwerer Rückschlag für den bemannten Raumflug der USA. Von den weiteren Shuttle-Flügen hängt auch ab, wann die ISS vollständig fertiggestellt wird. Bisher ist erst die Hälfte der Module montiert.

Die Astronauten an Bord der Discovery zeigten sich zunächst wenig beunruhigt. Kurz vor dem Andockmanöver wollte Discovery-Kommandantin Eileen Collins das Shuttle soweit drehen, dass die Besatzung der ISS Aufnahmen von der Unterseite machen kann, um mögliche Schäden am Hitzeschild zu entdecken.

Sollten wider Erwarten doch gravierendere Schäden am Orbiter entstanden sein, steht die NASA vor einem massiven Problem. Denn bisher gibt es keine Lösung, wie diese im All repariert werden könnten. Zwar sollen der US-Astronaut Stephen Robinson und sein japanischer Kollege Soichi Noguchi während ihrer Weltraumspaziergänge ein neuartiges Flickzeug testen - die Technik ist aber für eine tatsächliche Reparatur noch längst nicht ausgereift und zum Stopfen größere Löcher ohnehin nicht geeignet. Ein "Sicherer Hafen" betiteltes Szenario sieht deshalb vor, dass das Discovery-Team notfalls in der Raumstation ausharrt, bis es von einer anderen Raumfähre abgeholt wird - in diesem Fall einer russischen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Discovery startet ins All

(afp)