Erinnerungen: Wie RP-Leser die Mondlandung erlebten

Erinnerungen : Wie RP-Leser die Mondlandung erlebten

Dutzende Leserbriefe erhielten wir auf unsere Frage: „Wie haben Sie die Mondlandung am 21. Juli 1969 erlebt?“. Eine Auswahl der schönsten, lustigsten und berührendsten Erinnerungen präsentieren wir hier.

Kinderperspektive

Unter mir der Wohnzimmerteppich, über mir die Tischplatte unseres Couchtisches und vor mir die Weite des Weltalls – eingefangen in unserem neuen Fernsehschrank. Meine Eltern haben mich geweckt, damit ich dieses historische Ereignis miterleben kann.
Das Gefühl, einen großen Schritt der Menschheit mitzugehen, hat sich aller vor dem Fernseher bemächtigt.
Das Bild ist verrauscht, der Ton ist schlecht; Geschichte wird in dieser Nacht in schwarz-weiß geschrieben.
Hinterher mit „small steps“ zurück ins Bett. Heute noch Begeisterung und Gänsehaut – und eine Ahnung von der Macht von Visionen.
Franz-Rudolf Molitor, Mürlenbach

Schelmenstück in der Kaserne

Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt schreiben darf, aber in der Nacht der Mondlandung durfte ich als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr die Kaserne bewachen. Auf meinem Rundgang traf ich den ebenfalls raumfahrtbegeisterten Oberoffizier vom Dienst. Schnell wurde uns klar, dass der einzige Fernseher der Kaserne im Büro des Generals stand. Mit einem Generalschlüssel machten wir uns dorthin auf – und kamen genau rechtzeitig an zu Armstrongs Ausstieg aus der Kapsel.
Klaus Schunk, Düsseldorf

Zu unserem interaktiven Special zum Thema Mondlandung gelangen Sie hier.

Strand statt Mond

Am 21. Juli 1969 gegen 4 Uhr in der Frühe saß ich mit anderen Jugendlichen an der Bar eines Hotels in Blanes, damals noch ein verträumtes Fischerdörfchen an der Costa Brava. Mit einem Lumumba verfolgten wir die Mondlandung fasziniert auf dem Fernsehschirm. Geprägt hat mich das Ganze aber erst einmal nicht so. In unserem Hotel waren 80 Mädchen und nur 20 Jungen. So war mir am nächsten Tag der Strand wesentlich näher als der Mond.
Ulrich Seibring, Krefeld

Im Kreißsaal unerwünscht

Vor dem Fernsehgerät meiner Schwiegereltern sah ich mit ihnen die spektakulären Bilder. Meine Frau war derweil mit der Geburt unseres jüngsten Sohnes beschäftigt.
Warum ich nicht bei meiner Frau saß? Tja, liebe Freunde, die Zeiten waren damals anders. Eine fremde, nichtmedizinische Person im Kreißsaal – unmöglich! Heute und damals sind so weit voneinander entfernt wie der Mond von unserer Erde. Umso schöner ist es, liebe Redaktion, dass Sie Gelegenheit geben, ab und zu alte Geschichten zu erzählen.
Paul Funger, Krefeld

Drei Kinder und ein Fernglas

Leider stand der Mond in jener Nacht nicht klar und deutlich am Himmel, sondern eher milchig und von Wolkenschleiern verhangen. Ich machte mit meinem Mann und unseren Kindern, damals 10, 8 und 6 Jahre alt, in Kärnten Urlaub auf dem Bauernhof. Die Gästezimmer hatten weder Fernseher noch Radio.
Mit Hilfe von Vaters Fernglas wollten die Kinder deshalb versuchen, die Astronauten oder zumindest einen Lichtschein vom Raumschiff zu erspähen. Gegen vier Uhr schauten sie wie gebannt der Reihe nach durch das Glas: Dieser dunkle Fleck da oben, könnte das nicht vielleicht die Mondfähre sein? Und was passiert, wenn sich die Astronauten verirren oder in eine Schlucht stürzen?
Wir Eltern versuchten, trotz zunehmender Müdigkeit immer wieder möglichst gescheite Antworten zu finden, bis es Zeit zum Frühstücken wurde. Die Anspannung dieser außergewöhnlichen Nacht löste sich erst, als wir Nachrichten hören und am Bildschirm auch sehen konnten, dass das abenteuerliche Unternehmen tatsächlich gelungen war.
Käthe Sommer, Mönchengladbach

Fläschchen vor dem Fernseher

Haargenau erinnere ich mich an die Mondlandung, denn Mitte Juni war unser zweiter Sohn zur Welt gekommen, der noch jede Nacht sein Fläschchen brauchte. Sein Körbchen nebst den entsprechenden Utensilien stellte ich abends ganz bewusst ins Wohnzimmer. Ich wollte dem Kind später unbedingt erzählen können, dass es die Mondlandung live erlebt hatte. Während der Fernsehübertragung fütterte ich das Baby und kommentierte mit eigenen Worten, was gerade passierte.
Marita von Soós, Düsseldorf

Co-Kommentatorin für blinde Kurgäste

Im Blindenerholungsheim “Haus Hamburg” in Waldeck am Edersee nahe Kassel war ich für die Semesterferien als Zimmermädchen und Küchenhilfe angestellt. An diesem Abend, ich hatte extra vorgearbeitet, saß ich mit den blinden Erholungssuchenden und den Pächtern des Hauses vor dem Bildschirm. Es war mucksmäuschenstill. Gebannt starrten wir auf den Röhrenfernseher – auch die Blinden, die sich voll auf ihr Gehör konzentrierten. Einige baten mich zu beschreiben, was auf dem Bildschirm zu sehen war; vor allem, wie der Mond aussah. Es herrschte eine richtig feierliche Stimmung mit diesen dankbaren Menschen.

Das Blindenerholungsheim und die Menschen dort werde ich ohnehin nie vergessen. In meinem Entschluss Lehrerin zu werden, wurde ich dort bestärkt.
Johanna Hans, Nettetal

Verhängnisvolle Hochzeitsnacht

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 wollten wir unsere Hochzeitsnacht begehen. Da wir zu der Zeit noch keinen Fernseher hatten, ließ ich meine Frau Karin im Stich und ging zur Nachbarin, um mir dort die Mondlandung anzusehen. Dieses Versäumnis hat sich durch meine ganze Ehe gezogen, obwohl ich mir alle Mühe gab, diesen Fehler auszugleichen. Für den Fall einer Marslandung habe ich meiner Frau versprochen, dass solch ein Versäumnis nicht noch einmal vorkommen würde. Zum Glück konnte ich sie damit versöhnen - und so feiern wir bald froh und dankbar Goldhochzeit.
Horst Lange, Bochum

Einbrecher-Alarm!

Im Sommer 1969 war ich 17 Jahre alt, meine Schwester war 15. Normalerweise hätten wir natürlich nicht die ganze Nacht vor dem Fernseher verbringen dürfen, aber wir waren alleine zuhause und machten es uns gemütlich. Irgendwann schliefen wir dann aber doch ein - und wurden von einem Klopfen geweckt. Draußen war eine dunkle Gestalt zu sehen, die wir schlotternd vor Angst mit Wasser aus einer Gießkanne übergossen. Danach konnten wir natürlich nicht mehr schlafen und sahen die ersten Schritte auf dem Mond live im Fernsehen, die wir sonst wohl verschlafen hätten. Aber unser eigenes Erlebnis beschäftigte uns viel mehr – bis wir erfuhren, dass bloß ein besorgter Nachbar nachsehen wollte, warum noch Licht brannte.
Gisela Dörk, Langenfeld

Entbindung nach der Landung

Ich habe mit meinem „Mondbauch“ vor dem Fernseher gesessen und gewartet – sowohl auf den ersten Schritt von Neil Amstrong gegen 4 Uhr als auch auf die Geburt meines dritten Kindes! Kurz nach der Landung kam ich ins Krankenhaus und bekam ein gesundes Mädchen.
Claudia Zeitz, Kaarst

Zwei Mal erste Schritte

Wir hatten gerade ein Zelt gekauft und fuhren in die Niederlande, mein Heimatland, um es auszuprobieren. In Elburg am Ijsselmeer liefen den ganzen Tag über die mitgebrachten Kofferradios. Es wurde über nichts anderes mehr gesprochen. Es herrschte eine unbeschreibliche Unruhe. Und dann geschah etwas sehr Schönes: Unser kleiner Sohn Roland machte seine ersten Schritte auf dieser Erde, ohne fremde Hilfe und zugleich mit den ersten Schritten von Neil Armstrong auf dem Mond. Jedes Jahr erinnern wir uns gerne daran.
Gerda Kryszat, Kaarst

Magischer Moment in Rom

"l'uomo sulla luna", titelten die Zeitungen in Rom am nächsten Tag – „Der Mann auf dem Mond“: Ich saß auf einer Restaurantterasse und sah über dem Pantheon vis à vis den Mond am Himmel. Blick und Gefühl vergißt man nicht!
Clemens Schäfer, Düsseldorf

48 schöne Jahrestage

Im Sommerurlaub am Chiemsee lernte ich beim Tanzen meinen späteren Ehemann kennen. Ein Jahr später heirateten wir in Neuss und bekamen zwei Kinder. Leider verstarb mein Ehemann nach 48 Ehejahren im letzten Herbst. Das Datum der Mondlandung war unser Jahrestag, ich werde es nie vergessen.
Helene Eichinger, Rommerskirchen

Die Kinder waren unbeeindruckt

Damals lebte ich mit meinem englischen Mann und meinen zwei Söhnen (10 und 7) in Kenilworth, Warwickshire, England. Vor vier Uhr weckten wir die Kinder – die dann sehr verschlafen und uninteressiert auf den Bildschirm starrten.
Mein jüngerer Sohn meinte, die Mondlandung hätte schon stattgefunden, da er ein kleines Gerät zum Geburtstag bekommen hatte, auf dem das Geschehen mittels einer Schiebevorrichtung simuliert wurde.
Veronika Weyrich, Hilden

Das Roboter-Wunder

An die Mondlandung selbst habe ich keine Erinnerung, aber zu Weihnachten 1968 bekam ich einen batteriebetriebenen Blechroboter geschenkt, nämlich einen Astronauten der NASA. Zu dieser Zeit gab es viele Roboter, aber alle mit Schießfunktion. Das wollten meine Eltern nicht, und so bekam ich einen Astronauten mit blinkender Helm-Antenne.
Irgendwann muss ich ihn kaputtgespielt haben, aber mit Mitte Zwanzig packte mich die Leidenschaft diesen Astronauten nochmals zu bekommen. “Aussichtslos!”, hieß es allerdings von allen Seiten. Und 30 Jahre lang blieb das tatsächlich so. Am Zweiten Weihnachtstag 2018 dann besuchte ich mit meiner Frau eine Spielzeugbörse in Hilden – und traute meinen Augen kaum. Genau fünfzig Jahre später, zum zweiten Weihnachtstag…! Über den Preis will ich nicht reden; für mich war es wie ein Wunder dieses Kerlchen in Händen zu halten noch dazu mit voller Funktion und in Original-Verpackung.
Jan-Dirk Pauls, Mönchengladbach

Feierstunde im Krankenhaus

Ich hatte mir Anfang Juli 1969 bei einem Fußballspiel das rechte Bein gebrochen und lag im Krankenhaus.
Doch einer meiner Mitpatienten im Zimmer ließ sich am Tag vor der Mondlandung von seinen Eltern einen Fernsehapparat bringen. Die Übertragung verfolgten wir sie fast fiebernd. Die Mondmission schien zu misslingen, doch Neil Armstrong übernahm kurzerhand die Steuerung per Hand und landete sanft. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Wir waren alle überwältigt. Geblieben ist die Erinnerung an diese traumhafte Nacht, an die Begeisterung auch meiner Zimmergenossen – und die Erkenntnis, dass man erreichen kann, was man wirklich erreichen will.
Hanno Mietzner, Langenfeld

Als die Deutsche Geschichte weiterging

Die Mondlandung verfolgte nach der Konfirmation im Mai in einem kleinen Weinhaus in Mesenich an der Mosel, das überraschenderweise mit einen Fernseher ausgestattet war. Erwähnt sei, dass nicht wenige Deutsche besonders stolz auf die erste Mondlandung waren, da deutsche Physiker an diesem großen Ereignis besonders beteiligt waren. Deren Vergangenheit wurde mir erst später klar. Damals war deutlich feststellbar, dass die Deutsche Geschichte etwa mit dem Beginn der Weimarer Republik endete und sich quasi erst in der damaligen Gegenwart, im Jetzt, fortsetzte. Über der Zeit dazwischen lag dichter Nebel. Da halfen auch Nachfragen bei Lehrern und in der Familie nicht wirklich weiter. Man wurde immer nur auf die Gegenwart verwiesen oder wollte in die Zukunft sehen.
Peter Boucke, Remscheid-Lennep

Zwischen Himmel und Erde

Am 20. Juli 1969 reiste ich mit meiner kleinen Tochter Alexandra nach Amerika, um meine dort lebende Schwester samt Familie zu besuchen. Auf dem Flug dorthin kam auf einmal die Durchsage aus dem Cockpit: “Sie sind gelandet!” Es war ein besonderes Erlebnis, “näher dran” zu sein als die vielen Mitarbeiter des Projekts auf der Erde. Ein unvergessliches Erlebnis!
Marianne Rohlfs, Düsseldorf

Mein erster Liebhaber

Würdest Du bitte zum Gespräch raufkommen, sagt mein Vater. Deine Mutter und ich, wir haben mit Dir etwas zu klären. (...) Es geht um den Herrenbesuch letzte Nacht, gegen drei. Frau Weidemann hat es gehört. Was hast Du dazu zu sagen?
Frau Weidemann, die alte Hexe, mit der ich die kleine Wohnung im ersten Stock teile … Sie ist oben bei meinen Eltern gewesen, hat mich denunziert. Eine Männerstimme, ja, ganz deutlich. (...) Und so wurde Neil Armstrong, dessen Stimme Frau Weidemann in der Nacht aus meinem Fernseher gehört hatte, mein erster offizieller Liebhaber.
Barbara Ming, Ratingen

Hochschwanger vor dem Fernseher

Am Tag der Mondlandung war meine Frau hochschwanger mit unserer ersten Tochter Andrea Victoria. Das hinderte uns nicht daran, voller Spannung die Nacht über vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher zu verbringen. Meine Spiegelreflexkamera hatte ich dazu auf ein Stativ gestellt und mit Drahtauslöser etliche Fotos geschossen. Noch heute erinnern wir uns an die damaligen Gefühle: Wird alles gutgehen? Wird sich unsere Aufregung auf die bevorstehende Niederkunft auswirken? Aber alles verlief planmäßig. Wir freuten uns erst mit den Astronauten – und neun Tage später war unser Glück perfekt, als unser Baby gesund in der selbstgebauten Wiege lag.
Georg Hasenbach, Krefeld

Ein Weltreisender berichtet

Im Juni und Juli 1969, ich war 21 Jahre alt, unternahm ich eine mehrwöchige Abenteuerreise auf dem Landweg von Düsseldorf über Österreich, Jugoslawien, Bulgarien, die Türkei und den Iran bis nach Kabul, die Hauptstadt Afghanistans.
Auf dem Rückweg hielt ich mich vom 17. bis zum 22. Juli in Moskau auf. Dass die Mondlandung geglückt war, war mir zu dem Zeitpunkt unbekannt. Am 21. Juli gab es in Moskau Gerüchte, dass die Amerikaner auf dem Mond gelandet seien, und die “Prawda” vom 22. Juli enthielt dann tatsächlich zwei Berichte darüber. Die Zeitung befindet sich noch heute in meinem Besitz. Die Faszination der Eroberung des Weltalls hat mich nie losgelassen. Mir irgendwann einmal ein Ticket für einen Raumflug zu sichern, kommt mir allerdings nicht in den Sinn. Es gibt noch auf unserem Planeten genügend aufregende Länder, interessante Menschen und bedeutende Kulturen.
Eduard Vopel, Düsseldorf

Geburtsstunde einer Mädels-Runde

Die Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 war für mich ein spezielles Erlebnis, weil ich da 21 Jahre alt und damit volljährig wurde. Wir feierten in der Gaststätte Metzen in Willich. Zur Feier des Tages hatten uns die Wirtsleute Kurt und Mike Reck in ihr privates Wohnzimmer eingeladen um gemeinsam zu erleben, wie der erste Mensch den Mond betrat. In dieser Nacht wurde die Idee von fünf Mädels geboren, sich künftig regelmäßig einmal im Monat zu treffen. Diese monatlichen Treffen finden bis heute immer statt. Auch wir feiern deshalb in diesem Jahr quasi unser 50-jähriges Jubiläum.
Bernhardine Holzapfel, Willich

Die Liebesnacht war uns wichtiger