Heute Abend: Mondfinsternis über Europa

Heute Abend : Mondfinsternis über Europa

Düsseldorf (RP). Heute Abend kann man ein Himmelsschauspiel beobachten: Gegen 22.30 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde ein. Es beginnt die totale Mondfinsternis.

Romantiker blicken heute Nacht ins Leere, denn der Spaziergang im Vollmondschein ist abgesagt: Der Himmel bleibt dunkel, weil die helle Scheibe unseres rund 380.000Kilometer entfernten Begleiters abtaucht. Und zwar buchstäblich. Denn heute ist die Nacht der Mondfinsternis: Zwischen 23.44 und 0.57Uhr wird der Schattenmantel der Erde den Trabanten verhüllen - wenn unser blauer Planet vor dem Mond steht und verhindert, dass er von der Sonne angestrahlt wird.

In der Fotostrecken oben sehen Sie Aufnahmen von der Mondfinsternis aus dem Jahre 2003.

Das Schauspiel beginnt unscheinbar um 21.15 Uhr, wenn der Mond in den Halbschatten der Erde eintritt und sich in Richtung des 1,4Millionen Kilometer langen Kernschattens bewegt. In ihn taucht der Mond gegen 22.30 Uhr langsam ein. Und Minute um Minute scheint die Nacht dann ein Stückchen mehr von unserem Trabanten verschlungen zu werden, bis gegen 23.44Uhr nichts mehr von ihm zu sehen ist. Auf die Minute genau lässt sich das nicht angeben, weil der Schattenwurf der Erde aufgrund ihrer Atmosphäre nicht scharf umrissen, sondern diffus verwaschen ist.

Maximum nach Mitternacht

Doch selbst wenn er wie heute Nacht ganz in die Düsternis eintaucht - völlig verhüllt wird der Mond selbst dann nicht. Schwach ist die kraterübersäte Scheibe noch sichtbar. Rötlich bis Rotbräunlich eingefärbt. Schuld daran ist das Sonnenlicht, dessen kurzwelliger, blauer Anteil in der Erdatmosphäre chaotisch gestreut wird. Darum scheint der Himmel übrigens tagsüber auch so blau.

Das langwelligere, rote Licht dagegen wird in der Lufthülle gebrochen und kann so den Mond in den düsteren Kernschatten hinein noch schwach beleuchten. Die Helligkeit und Färbung des Mondes während einer Finsternis ist darum auch ein Indiz für die Sauberkeit der Luft: Als beispielsweise der Vulkan Pinatubo 1991 ausbrach, fiel die Mondfinsternis sehr dunkel aus.

Der französische Astronom André-Louis Darjon entwickelte eine Skala für die Helligkeit des Mondes während einer seiner Verdunklungsphasen. Als Maß für die Verschmutzung der Erdatmosphäre konnte sie sich nicht durchsetzen, weil Satelliten, Ballons und Flugzeuge viel genauere Daten als die Einfärbung des Mondes liefern.

Für die alten Griechen war die Mondfinsternis übrigens ein Indiz dafür, dass die Erde keine Scheibe sondern eine Kugel ist. Denn sonst könnte sie keinen kreisförmigen Schatten werfen. Ein Wissen, dass im Mittelalter verloren ging, bis Ferdinand Magellan mit seiner Weltumseglung zwischen 1519 und 1522 den endgültigen Beweis für die Kugelform lieferte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Mondfinsternis vom 16. Mai

(RP)