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Asteroiden: Monde entstehen durch Sonnenstrahlen

Asteroiden : Monde entstehen durch Sonnenstrahlen

London (RPO). Allein mit ihren Strahlen ist die Sonne in der Lage, neue Himmelskörper zu erschaffen. Das haben US-Forscher jetzt entdeckt. Demnach führen die wärmenden Strahlen unseres Zentralgestirns dazu, dass einige Asteroiden einen Mond besitzen.

Denn die Himmelskörper werden von der Sonne nicht an allen Stellen gleich stark erhitzt. Diese unregelmäßige Erwärmung versetzt die Asteroiden in Rotation.

Fliehkräfte verformen daraufhin den Asteroiden, bis sich schließlich an seinem Äquator Material ablöst und eine Umlaufbahn um den Asteroiden annimmt, wie Wissenschaftler um Kevin Walsh von der University of Maryland in College Park in Computersimulationen herausfanden. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature" (Bd. 454, S. 188).

Asteroiden mit Monden sind keine Seltenheit: Etwa 15 Prozent aller Asteroiden mit einem Durchmesser von weniger als zehn Kilometern in der Nähe der Erde und im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter besitzen derartige Satelliten.

Yarkovsky-O'Keefe-Radzievskii-Paddack- Effekt

Wie diese Begleiter jedoch entstehen, war bislang unklar. Zusammenstöße zwischen den Himmelskörpern waren eine mögliche Erklärung. Aufgrund der großen Entfernungen im Weltraum sind derartige Kollisionen allerdings selten.

Computersimulationen lieferten nun eine bessere Erklärung. Danach versetzen Sonnenstrahlen die Himmelskörper im Laufe der Zeit in eine Rotationsbewegung - ein Vorgang, der nach seinen Entdeckern als Yarkovsky-O'Keefe-Radzievskii-Paddack-Effekt (YORP-Effekt) bezeichnet wird. Die Strahlung der Sonne erhitzt den Asteroiden, der die Wärme daraufhin wieder abgibt - ähnlich wie ein Bürgersteig, der im Sommer die Luft über ihm in Bewegung versetzt.

Da die Oberfläche eines Asteroiden unregelmäßig geformt ist, wird die Hitze auch ungleichmäßig wieder abgegeben. Die dabei entstehende Drehung beschleunigt sich im Lauf der Zeit. Insgesamt kann dies Hunderttausende von Jahren dauern. Durch die Fliehkräfte, die bei der Drehung entstehen, verformt sich der Asteroid, und er verbreitert sich im Bereich seines Äquators. Ist eine bestimmte Drehgeschwindigkeit erreicht, löst sich dort Material ab und formt einen Satelliten: Ein sogenanntes binäres Asteroiden-System ist entstanden.

Von einem kleinen Mond umrundet

Die Berechungen von Walsh und seinen Kollegen passen gut zu Beobachtungen an einem binären Asteroiden-System namens 1999 KW4 in der Nähe der Erde. Dieses besteht aus losen Felsbrocken, die durch Gravitation zusammengehalten werden.

Der Hauptteil dieses Himmelsobjekts hat einen Durchmesser von 1,5 Kilometern und ist am Äquator stark verbreitert. Alle 16 Stunden wird es von einem kleinen Mond umrundet. Die Forscher vermuten, dass 199 KW4 durch den YORP-Effekt entstanden ist. "Unseren Ergebnissen zufolge ist der YORP-Effekt für die Entstehung eines großen Teils der binären Asteroiden-Systeme verantwortlich", sagt Patrick Michael, einer der beteiligten Forscher.

(afp)