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Discovery: Heikle Reparatur im All

Discovery : Heikle Reparatur im All

Houston (rpo). Den Astronauten der Raumfähre Discovery steht eine heikle und bisher beispiellose Reparaturarbeit im Orbit bevor, um sicher auf die Erde zurückkehren zu können. Der Dienstag stand im Zeichen der Vorbereitungen auf den Außeneinsatz. So wurden die benötigten Werkzeuge zusammengebaut, um das überstehende Füllmaterial an der Unterseiten des Raumgleiters zu entfernen. Am Mittwoch wird es dann ernst.

Der Astronaut Steve Robinson, der am Mittwoch ins All hinaus soll, sprach von einer "sehr delikaten, aber zugleich ganz simplen Aufgabe". Die zwei zentimetergroßen Stückchen könnten beim Eintritt in die Atmosphäre gefährliche Hitze verursachen. Allerdings könnten bei den Reparaturarbeiten auch die Hitzeschutzkacheln des Raumgleiters beschädigt werden.

Es wäre das erste Mal, dass ein Astronaut die Unterseite des Shuttles im All repariert. Bei dem für Mittwoch geplanten dritten Weltraumspaziergang soll Robinson mit einem Roboterarm der ISS zum Bauch der Discovery transportiert werden. Dort soll er zunächst versuchen, die beiden Isolierstücke mit den Händen oder Zangen zu entfernen. Wenn das nicht möglich ist, soll er eine selbst gebaute Säge zur Hilfe nehmen.

Über 20.000 Kilometer pro Stunde

Zur Begründung für des Vorhaben hieß es von der NASA, niemand könne bei Geschwindigkeiten von über 20.000 Kilometern pro Stunde die Auswirkungen der locker sitzenden Isolierstückchen einschätzen. Experten befürchten, dass sich dabei gefährlich hohe Hitze entwickelt. Das Füllmaterial soll beim Eintritt in die Erdatmosphäre eigentlich das Einströmen heißen Gases zwischen die Hitzeschutzkacheln verhindern. Derzeit ragen die Stücke rund 2,5 Zentimeter aus den Kacheln hervor; die Sicherheitsstandards erlauben höchstens 0,6 Zentimeter.

Robinson sagte, er müsse bei der geplanten Reparatur sehr aufpassen. Vor allem müsse er auf die Oberseite seines Helms achtgeben, wenn er sich dem Raumgleiter von vorne nähere. Um ein Anstoßen an die Außenhaut zu vermeiden, soll er sein Werkzeug in einem Rucksack tragen.

"Uns macht am meisten Sorgen, dass wir noch mehr Schäden verursachen könnten", sagte eine NASA-Managerin. Vor allem bestehe die Gefahr, dass der Astronaut bei der Reparatur die empfindlichen Hitzeschutzkacheln beschädige, die die ganze Unterseite des Raumgleiters bedecken.

"Ein sehr einfacher Plan"

Der Vize-Chef des Shuttle-Programms, Wayne Hale, rechtfertigte die Reparatur. Sie sei wichtig, da die Gefahr durch das überstehende Füllmaterial noch größer sei als eine Beschädigung der Hitzeschutzkacheln. Selbst wenn nach den Arbeiten in die Lücken zwischen den Kacheln Hitze eindringe, könne die Raumfähre sicher in die Atmosphäre zurückkehren.

"Für diesen einen Flug bewegen wir uns innerhalb unserer Sicherheitsstandards", fügte er hinzu. Mit dem Weltraumeinsatz habe sich die Raumfahrtbehörde für das geringere Risiko entschieden. Es sei ein "sehr einfacher Plan" mit "guten Sicherheitsbedingungen".

Der Einsatz soll rund anderthalb Stunden dauern. Sollte die Reparatur beim ersten Mal nicht erfolgreich sein, könnten nach Angaben der NASA weitere Versuche am Donnerstag und Freitag unternommen werden. Die Discovery soll nach der derzeitigen Planung am Samstag die ISS verlassen und am Montag zur Erde zurückkehren.

Im Februar 2003 war die US-Raumfähre Columbia wegen eines Defekts am Schutzschild beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Damals kamen alle sieben Astronauten an Bord ums Leben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Notreparatur im All

(afp)