Meteosat: Start am 13. Dezember Neuer Wettersatellit für Europa

Hinter dem kryptischen Kürzel „MTG-I1“ verbirgt sich Europas neuester Meteosat der dritten Generation. Er soll die Wetterbeobachtung revolutionieren. Der Start mit einer „Ariane 5“ ist für den 13. Dezember vorgesehen.

 Am 13. Dezember soll der Wettersatellit MTG-I1 ins All starten.

Am 13. Dezember soll der Wettersatellit MTG-I1 ins All starten.

Foto: ESA/Mlabspace

Es hat mehr als 14 Jahre gedauert. Vom ersten Konzept bis zum fertigen Wetter-Satelliten „MTG-I1“. Und die Erwartungen an den 3,8 Tonnen schweren und 5,5 Meter hohen Satelliten sind groß, der die bald 20 Jahre alte zweite Generation von Meteosat-Satelliten ablösen soll.

Nach seinem Start am 13. Dezember mit einer „Ariane 5“ vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana wird er in eine geostationäre Erdumlaufbahn fliegen. Dort, in ca. 36.000 Kilometer Höhe, wird der neue europäische Satellit nicht nur ständig Europa im Blick haben, sondern auch sehr viel bessere Daten liefern als bislang. Die neuen Instrumente können die Erde im sichtbaren Licht und im Infrarotband beobachten: Bei einer Auflösung von 500 mal 500 Meter wird alle zweieinhalb Minuten ein neues Bild von Europa generiert. Alternativ kann alle zehn Minuten mit einer Auflösung zwischen 1x1 Kilometer und 2x2 Kilometer zusätzlich auch der Atlantik und Afrika gescannt werden.

Alles, damit sich Meteorologen wie vom Deutschen Wetterdienst (DWD) daraus ein besseres Bild von den atmosphärischen Bedingungen machen können – um daraus Wettervorhersagen abzuleiten. „Detaillierter und kleinräumiger als es bislang möglich ist“, sagte Rainer Hollmann vom DWD bei einer Pressekonferenz der federführenden europäischen Weltraumorganisation Esa. Zudem will man so Extremwetterlagen oder Waldbrände frühzeitiger als bislang erkennen. Das wird angesichts des Klimawandels und seiner heftiger werdenden Folgen immer wichtiger. Alleine im Jahr 2022 wird laut der US-Wetterbehörde NOAA der Schaden durch Unwetter und Klimakatastrophen nur in den Vereinigten Staaten auf mehrere zig Milliarden US-Dollar steigen. Und nach einem Bericht der europäischen Umweltbehörde EAA sind von 1980 bis 2020 zwischen 85.000 und 145.000 Menschen in Europa aufgrund von Extremwetterlagen gestorben.

Um seine Arbeit so gut wie möglich zu verrichten, wird der neue Satellit darum „100 Prozent seiner Zeit für die Erdbeobachtung aufwenden“, erklärte Martin Peccia von der Esa. Denn: Seine Orientierung im Orbit wird in allen drei Achsen stabil gehalten. Das ist komplexer als bei dem bald 20 Jahre alten Vorgänger, der auf ein simpleres Verfahren setzte: Er rotierte „einfach“ um seine eigene Achse. Der Nachteil war indes, dass er nur fünf Prozent seiner Zeit für die Erdbeobachtung aufwenden konnte. Durch das neue System zur Lage-Stabilisierung gewinnt man nun aber sehr viel mehr Daten in kürzeren Abständen - bei einer besseren Auflösung.

Zudem sind Detektoren eingebaut, um Blitze zu erfassen. So werden nicht nur Gewitter frühzeitig erkannt, die Indizien für Stürme und heftige Regenfälle sein können. Die Daten werden auch an Luftfahrt-Systeme übermittelt, damit Piloten schneller gewarnt sind und gegebenenfalls auf andere Flughäfen ausweichen können. Das erhöht die Sicherheit und spart am Ende Zeit sowie Geld.

Daneben soll der neue Satellit auch Erkenntnisse zu Windgeschwindigkeiten und Sonnenscheindauer liefern. Die sind wiederum entscheidend für den Bau von Windkraft- und Solaranlagen, um den Umstieg auf erneuerbare Energie so effektiv wie möglich zu gestalten. Außerdem erkennt der Satellit Notfallsignale und kann die Standorte an die entsprechenden Rettungsleitstellen übermitteln.

Allerdings wird es nach dem geplanten Start am 13. Dezember noch ein Jahr dauern, bis „MTG-I1“ tatsächlich seine Arbeit aufnehmen kann. Zunächst müssen Restgase aus den empfindlichen Detektoren entweichen. Zudem muss man noch Erfahrungen mit dem neuen System zur Lage-Stabilisierung sammeln, um so gute Bilder wie möglich zu erhalten. Danach erst kann der Vorgänger-Wettersatellit aus seinem geostationären Orbit in eine 800 Kilometer höhere Umlaufbahn befördert werden – in einen sogenannten Friedhofsorbit. Das gleiche Schicksal wird auch „MTG-I1“ erwarten in etwa 20 Jahren, nachdem er seinen Resttreibstoff abgelassen hat. So soll vermieden werden, dass es bei einem möglichen Einschlag von Mikrometeoriten zu einer Explosion kommt – um keinen zusätzlichen Weltraumschrott zu generieren.

Bis dahin aber wird „MTG-I1“ nicht alleine bleiben. Auf der gleichen Basis werden fünf weitere Satelliten entwickelt. Bereits 2024 soll der sogenannten „Sounder“ starten, der die Wetter- und Klimabeobachtung noch einmal revolutionieren wird. Er misst Feuchtigkeitswerte und Temperaturen auch vertikal in verschiedenen Höhen, um ein kompletteres Bild der Wetterereignisse und des Klimas zu liefern. Und er kann zusätzlich die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort