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Discovery-Reparatur: "Einen tollen Job gemacht!"

Discovery-Reparatur : "Einen tollen Job gemacht!"

Houston (rpo). Mission geglückt: Der US-Astronaut Stephen Robinson hat am Mittwoch in einer riskanten Aktion zwei überstehende Teile des Füllmaterials zwischen den Hitzekacheln an der Unterseite der Raumfähre Discovery entfernt. Der Dank kam von der Erde: "Jungs, ihr habt einen tollen Job gemacht", sagte die Missionskontrolle in Houston nach dem gelungenen Manöver.

Erstmals seit Beginn der Space-Shuttle-Ära vor fast einem Vierteljahrhundert hat damit ein Astronaut eine US-Raumfähre im All repariert. Robinson hatte gemeinsam mit dem Japaner Soichi Noguchi um 10.48 Uhr MESZ die Internationale Raumstation (ISS) zu der Außenmission verlassen. Nach fast genau sechs Stunden war der riskante Reparatureinsatz beendet.

 Herabhängendes Füllmaterial soll vorsichtshalber vom Hitzeschild entfernt werden.
Herabhängendes Füllmaterial soll vorsichtshalber vom Hitzeschild entfernt werden. Foto: NASA, AFP

Mit den Füßen am fast 18 Meter langen Roboterarm befestigt, wurde Robinson direkt an die schadhaften Stellen an der Unterseite der Raumfähre herangefahren. Das erste der beiden hervorstehenden, mit Keramik verstärkten Isolierplättchen entfernte er rund 350 Kilometer über dem US-Bundesstaat Massachusetts unkompliziert mit seinen Händen, wie auf von der NASA übertragenen Live-Bildern zu sehen war.

 US-Präsident Bush wünschte der Crew via Satellit alles Gute.
US-Präsident Bush wünschte der Crew via Satellit alles Gute. Foto: AP, AP

"Ich werfe es einfach in meinen Müllbeutel", sagte der Astronaut, nachdem er das Teil triumphierend vor seine Helmkamera gehalten hatte. Die Füllung ragte mit rund 7,5 Zentimetern allerdings erheblich weiter aus der Fuge hervor als ursprünglich von der NASA eingeschätzt.

Für den Fall von Komplikationen hatte Robinson auch eine Zange und eine improvisierte Säge dabei, die jedoch nicht zum Einsatz kamen. Auch das zweite, rund 2,5 Zentimeter herausragende Füllteil konnte Robinson zehn Minuten später problemlos ohne Werkzeug herausziehen, als sich die Station gerade über der französischen Atlantikküste befand. Außerdem machte er eine Reihe von Fotos von den Hitzkacheln.

"Jungs, ihr habt einen tollen Job gemacht", bedankte sich die Missionskontrolle in Houston nach dem gelungenen Manöver. Die "Choreografie" zwischen Astronauten und Robotern habe "großartig" geklappt. Robinson sprach nach seiner sicheren Rückkehr in die Internationale Raumstation der Mannschaft seinen Dank dafür aus, dass sie "diesen Tag extra problemlos und locker" gemacht habe.

Das Füllmaterial spielt für den Hitzeschutz beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre keine Rolle - es wird vielmehr benötigt, um beim Start akustische Vibrationen zu dämpfen. Das Hervorstehen einzelner Isolierstücke aber könnte nach Angaben der NASA bei einer Geschwindigkeit von weit mehr als 20.000 Kilometern pro Stunde zu unerwünschten Luftwirbeln führen, die den Shuttle überhitzen und zerstören könnten.

Noch vor der Reparatur befestigten die Astronauten auch eine Werkzeughalterung und Geräte für einen wissenschaftlichen Materialtest an der ISS und wechselten einen defekten Wärmetauscher der Station aus.

Die Discovery soll nach der derzeitigen Planung am Samstag die ISS verlassen und am Montag zur Erde zurückkehren. Im Februar 2003 war die US-Raumfähre Columbia wegen eines Defekts am Schutzschild beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Damals kamen alle sieben Astronauten an Bord ums Leben.

(ap)