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"Mars 500"-Simulation zu Ende gegangen: Dosenfutter, kein Fenster und völlige Isolation

"Mars 500"-Simulation zu Ende gegangen : Dosenfutter, kein Fenster und völlige Isolation

Moskau (RPO). Es war ein Medienrummel, als wären sie tatsächlich gerade vom Roten Planeten zurückgekehrt. Am Freitag ging das Experiment "Mars 500" zu Ende. Mehr als 500 Tage hatten die sechs Test-Astronauten in völliger Isolation gelebt. So verwunderte es kaum, dass sie beim Ausstieg etwas blass um die Nase waren. Und jeder von ihnen hat so seine eigenen Wünsche nach der langen Zeit.

Es waren um 10.58 Uhr (MESZ), als das Siegel zu jenem Container geöffnet wurde, in den vor 520 Tagen sechs Männer aus Russland, Frankreich, Italien und China hineinspazierten. Auf engstem Raum hatten sie miteinander auskommen müssen. Zu essen bekamen sie die typische Astronauten-Nahrung aus der Konserve, geduscht wurde nur aller zehn Tage. Der Wohnraum war nicht größer als ein Reisebus, es gab keine Fenster.

Damals, zu Beginn des Experimentes, hatte der französische Teilnehmer Romain Charles gesagt: "Es ist kein Gefängnis, es ist ein Programm. Ich bin mir sicher, dass es hart wird, aber wir haben das Ziel, hier 520 Tage auszuhalten, und das werden wir erreichen." Und das ist ihnen auch gelungen. Trotz blasser Nase lächelten die Männer, als sie am Mittag ihre "Raumstation" in Moskau verließen.

Mehr als 100 Experimente durchgeführt

"Wir haben unsere Aufgabe erfüllt", sagte Gruppenleiter Alexej Sitew. "Die Mannschaft ist bei guter Gesundheit und für neue Aufgaben bereit." Alle 106 wissenschaftlichen Experimente seien erfüllt worden, darunter auch einige aus der traditionellen chinesischen Medizin, erklärte der Verantwortliche für das Projekt, Alexander Suworow der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Die Wissenschaftler hätten eine große Datenmenge, die nun ausgewertet werden müsste.

Es war eben nicht irgendein Projekt, sondern alles sollte so echt wie möglich simuliert werden, auch wenn ein echter Mars-Flug wohl noch in weiter Ferne liegen dürfte. Der Schwerelosigkeit waren die Männer zwar nicht ausgesetzt, aber es wurden auch Notfälle wie ein Abbruch des Kontaktes zur Erde und sogar Außeneinsätze auf einem nachgebauten "Mars". 250 Tage flogen sie hin, 30 Tage blieben sie auf dem Planeten und 240 Tage dauerte der Rückflug.

Doch wie hält man so etwas überhaupt aus? Und versteht man sich wirklich so gut? Schließlich musste vor einigen Jahren ein ähnliches Experiment wegen Reibereien abgebrochen werden. "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und immer eine gemeinsame Sprache gefunden", erklärte der russische Teilnehmer Alexander Smolejewski gegenüber Spiegel Online kurz vor Ende des Experiments.

Und der italienische Teilnehmer Diego Urbina sagte: "Die Crew-Mitglieder kommen halt aus verschiedenen Kulturen. Aber wir hatten nie Probleme miteinander. Klar ist aber auch: Nicht jeder ist mit jedem eng befreundet."

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"Wir sind stolz"

Ganz so abgeschottet waren die Teilnehmer aber auch nicht. Über Internet und Funk konnten sie mit ihren Familien in Kontakt treten. Familie, Freunde und die Wissenschaftler, die sie bei ihrem Experiment begleiteten, warteten dementsprechend am Freitag schon sehnsüchtig auf die Ankömmlinge. Die Forscher gratulierten zur "hervorragenden Erfüllung dieses Programms". Auf dem Boden seien alle froh, sie wieder willkommen zu heißen. Als Dank erhielt jedes Crewmitglied eine rote Rose.

Als erster ergriff der französische Astronaut Romain Charles das Wort. "Wir sind stolz, bewiesen zu haben, dass Menschen zum Mars fliegen können", sagte er. Mit vor Freude geballter Faust ergänzte der Italiener Diego Urbina, es sei "eine Ehre gewesen, an dem wichtigen Experiment mitgewirkt zu haben". Er hoffe, es werde der Menschheit eines Tages helfen, "neue Träume zu verwirklichen".

Was sie jetzt machen werden? Erst einmal heißt es ab in die Quarantäne. Erst Anfang Dezember dürfen sie endgültig zu ihren Familien zurückkehren. Teamleiter Sitew weiß jedenfalls jetzt schon, was er dann machen wird: "Ich will erst einmal irgendwo ans warme Meer fahren." Immerhin hätten er und seine Kollegen zwei Sommer verpasst. "Meine Gedanken drehen sich jetzt ums Schwimmen im Meer und darum, mich im warmen Sand zu sonnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Simulierte Mars-Mission geht nach 520 Tagen zu Ende

(mit Agenturmaterial)