Deutschland plant Mission: Der Mond ist das Ziel

Deutschland plant Mission : Der Mond ist das Ziel

Düsseldorf (RP). Der Mond scheint für Walter Döllinger nicht mehr nur zum Greifen nah - er ist es auch. Der Direktor am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) möchte nämlich nicht mehr nur kleckern, sondern richtig klotzen. Mit einer eigenen Mondmission, die spätestens 2013 vom ESA-Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana starten soll. Denn seit "dem Apollo-Programm genießt der Mond ein stiefmütterliches Dasein", sagt Döllinger - weil die Augen und Pläne bisher oft nur in Richtung Mars gerichtet waren.

Mit rund 300 Millionen Euro veranschlagt der Direktor die Kosten des deutschen Alleinganges, den das DLR mit Nachdruck voran- treibt. Gestern wurden bereits 50 Wissenschaftler dazu eingeladen, die Mission und ihre Ziele zu skizzieren. Einige Eckpunkte stehen jedoch bereits. "Die Sonde soll den Mond vier Jahre lang umkreisen und eine detaillierte Karte der gesamten Oberfläche liefern", so Döllinger weiter. Bisher seien nur etwa acht Prozent unseres Begleiters näher untersucht worden. Das DLR möchte dagegen einen bis auf einen Meter genauen vollständigen Mondatlas erstellen und gleichzeitig die Zusammensetzung der Oberfläche analysieren. "So etwas haben noch nicht einmal die Amerikaner", betont Döllinger. Und die wiederum könnten davon profitieren, um einen Standort für die geplante US-Mondbasis zu finden.

Deutschland würde sich mit der Mission in guter Gesellschaft befinden: China, Japan und Indien haben den Mond bereits als Ziel entdeckt. Großbritannien und Italien wollen ebenfalls einen Alleingang wagen. "Wir können uns vorstellen, mit anderen Europäern zu kooperieren." Doch zunächst geht das DLR von einem Alleingang aus - zusammen mit deutschen Unternehmen wie der OHG-System und EADS-Astrium in Bremen. "Wir haben die Technik, wir haben das Können, und wir haben die Erfahrung mit robotischen Systemen", sagt der Direktor stolz. "Warum sollen wir es also nicht wagen?", fragt er. Die Antwort steht für ihn fest-auch wenn eine politische Entscheidung noch aussteht. Doch aus Berlin seien bereits positive Signale gekommen.

Die erfolgreiche Thomas-Reiter-Mission an Bord der internationalen Raumstation ISS sei für das ehrgeizige Vorhaben ebenso ausschlaggebend gewesen wie die Aufbruchstimmung seit der Fußball-WM. Und für das DLR ist die unbemannte Mond-Mission keine Eintagsfliege, sondern ein deutscher Aufbruch in den Weltraum. Wenn nämlich alles glattläuft, dann könnte bis 2020 eine zweite Mission folgen. Doch dann würde die Sonde den Mond nicht nur umkreisen. Sie würde auch auf ihm landen, Gesteinsproben nehmen und sie wieder zur Erde bringen.

Bei der europäischen Weltraumagentur ESA gibt man sich angesichts der deutschen Pläne zunächst abwartend. "Jedes Mitgliedsland kann auch eigene Projekte starten", so eine Sprecherin.