Weltraumkapsel "Dragon": Der "Drache" ist gelandet

Weltraumkapsel "Dragon" : Der "Drache" ist gelandet

Besser kann die Premiere eines neuen Weltraumtransportsystems nicht sein. Wie die Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa in Houston (Texas) mitteilte, ist das private US-Raumschiff "Dragon" am Donnerstag nach seinem zehntägigen Demonstrationsflug zur Internationalen Raumstation ISS wieder sicher zur Erde zurückgekehrt.

Damit empfiehlt sich die Kapsel des kalifornischen Hightech-Unternehmens SpaceX wärmstens als potenzieller Nachfolger für die Raumfähren, die im Sommer 2011 aus Kosten- und Sicherheitsgründen eingemottet wurden. Seither sind die Amerikaner bei der ISS vor allem auf die guten Dienste der Russen, aber auch der Europäer und Japaner angewiesen. Das soll sich nun bald ändern.

Der "Splashdown", wie die Amerikaner die Wasserlandung nennen, erfolgte um 17.42 Uhr deutscher Zeit im Pazifik vor der kalifornischen Südküste. Die Bergung wurde von vier Schiffen und zwei Flugzeugen abgesichert.

Zwölf Versorgungsflüge zur ISS gebucht

"Dragon" war am 22. Mai mit 460 Kilogramm Nachschub an der Spitze einer "Falcon 9"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida)
gestartet. Da das Raumschiff nicht über ein automatisches Kopplungssystem wie die russischen "Progress"- und die europäischen ATV-Frachter verfügt, musste es per Roboterarm "eingefangen" und an die ISS angedockt werden. Wie schon der erste Demonstrationsflug im Dezember 2010 verlief die gesamte Mission auch diesmal perfekt. Die Nasa hat bei SpaceX schon zwölf Versorgungsflüge zur Station für 1,6 Milliarden Dollar gebucht. Der erste könnte bereits im Herbst stattfinden, wie ein Sprecher andeutete.

Der neue Frachter ist insbesondere auch für die Wissenschaft interessant. Er kann nicht nur 3,3 Tonnen Versorgungsgüter auf die Umlaufbahn bringen, sondern auch bis zu 2,6 Tonnen Ladung mit zurücknehmen. Von den anderen Raumschiffen bieten lediglich die Sojus-Kapseln gewisse Rückführungsmöglichkeiten. Die Forscher sehen deshalb in "Dragon" eine willkommene zusätzliche Gelegenheit, schneller an ihre wissenschaflichen Ergebnisse zu kommen.

Bemannte Version in drei Jahren

SpaceX-Chef Elon Musk will sich allerdings nicht mit dem bisher Erreichten zufriedengeben, sondern gleich durchstarten. Er denkt ganz konkret an eine bemannte Version von "Dragon". Sie soll sieben Astronauten Platz bieten und schon in drei Jahren zur Verfügung stehen. Die Nasa, die bisher 381 Millionen Dollar und technisches Know-how in die Kapsel und die Falcon-9-Rakete investiert hat, will das Projekt mit weiteren 75 Millionen Dollar fördern. Denn erst mit einer eigenen bemannten Kapsel kann sich Amerika wieder aus der Abhängigkeit von den Russen befreien.

Inzwischen können sich Musk und sein relativ kleines Team auf den ersten Auftrag für ihren Schwerlastträger "Falcon Heavy" freuen. Intelsat will mit der Superrakete Kommunikationssatelliten in den geostationären Orbit schießen. SpaceX verlangt dem Vernehmen nach dafür nur ein Drittel des Preises der "Delta 4 Heavy" der Nasa.

(apd)
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